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Wort zur Ferienzeit

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«Was ist nur mit der Welt los?» - das habe ich in den letzten Wochen oft gehört, ziemlich resigniert. Sinnlose Bombenattentate überall auf der Welt, auch Städte wie Paris und London – bis vor Kurzem Symbole von Freiheit und Toleranz - sind nicht mehr sicher.

Von Matthias Rupper, matthias.rupper@kath-arbon.ch

Wir in der Schweiz sind noch verschont geblieben, aber wohl niemand von uns würde eine Wette abschliessen, dass dies auch für immer so bleibt. Solche Gedanken sind nicht sehr motivierend für die kommende Ferienzeit. «I das Land wett i emol go», das sagen wir nicht mehr unbesorgt, wir müssen uns im Gegenteil überlegen, wie die Sicherheitslage in jenem Wunschland ist. Menschen und Städte, die von Anschlägen betroffen waren, haben bewundernswert reagiert: Wir lassen uns nicht von Angst beherrschen, wir verteidigen Werte und Kultur unseres Lebensraumes und verstecken uns nicht!

Es sieht zwar auf den ersten Anblick nicht so aus, aber der Umgang mit solchen Situationen hat auch mit unserem Glauben zu tun. Nach dem Tod Jesu haben sich die Jünger verkrochen, eingemauert in ihren Häusern Das hat sie gelähmt, sie fanden keine Antwort auf die Frage, wie es weitergehen soll. Dann kam Pfingsten: Der Geist Gottes hat die kleine Christengemeinde zu einem mutigen Glaubensbekenntnis befähigt. Und Jesus hat schon vorher Menschen, die unter Lasten, die andere ihnen im Namen der jüdischen Religionsgesetze aufgebürdet hatten, von Angst befreit und in die Freiheit der Kinder Gottes geführt. Der christliche Glaube, aber eigentlich jede richtig gelebte Glaubensrichtung, soll den Menschen die Angst nehmen und ihnen innere Freiheit schenken. Wir hier in der Schweiz sollten das Geschenk der religiösen Freiheit wieder vermehrt schätzen lernen; denken wir an die koptischen Christen in Ägypten, die selbst in ihren Kirchen angegriffen und getötet werden.

Die Freiheit ist der erste Aspekt, der uns für die Ferienzeit auch geistig motivieren will. Der zweite ist wie eine Antwort auf dieses Geschenk: Toleranz als Haltung, die aus geschenkter Freiheit wachsen sollte. Das Christentum hat mit der Toleranz eine leidvolle Geschichte: Aus der sicheren Überzeugung, dass der christliche Glaube und nur in der Form der katholischen Kirche der einzig richtige Weg sei, wurden über Jahrhunderte Menschen verfolgt und getötet. Heute sind wir zum Glück einen Schritt weiter: Das Konzil (1962-1965) anerkannte, dass es verschiedene Heilswege gibt. Christliche Mission verliert ihren Wert nicht, nur kann sie nicht mehr mit Gewalt ausgeübt werden. Und es gibt auch eine Bewegung in die andere Richtung: Nicht nur wir haben etwas zu geben, wir können auch etwas lernen und empfangen. Das ist der Weg der Oekumene: Die christlichen Kirchen und die Weltreligionen wollen sich nicht mehr gegenseitig belehren und bekehren, sondern in einem lebendigen und freundschaftlichen Kontakt aufeinander hören und voneinander lernen. Auch hier hat uns Jesus den Weg vorgezeichnet. Die Jünger fragt er: «Wollt auch ihr gehen?»; er ist tolerant, erträgt es auch, wenn sie einen anderen Weg wählen. Und eine weitere Aussage Jesu, über die wir lange nachdenken können: «Wer nicht gegen mich ist, ist für mich.» - eine Einladung zu einer grossen Toleranz.

Freiheit und Toleranz – wenn wir in unserer Ferienzeit in viele Länder reisen mit anderer Kultur und verschiedenen Kirchen und Religionen, dann sind wir nicht nur Konsumenten, sondern auch Botschafter dieser Werte. Tun wir das mit Freude und Überzeugung – ich wünsche Ihnen und Euch eine frohe und angstfreie Ferienzeit.

Matthias Rupper

 

publiziert am 30.06.2017



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