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Krankheit und Leid in der heutigen Gesellschaft

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Auf den 11. Februar ist der Welttag der Kranken angesetzt, jeweils am ersten Sonntag im März wird in der Liturgie der katholischen Kirche der Krankensonntag begangen. Dass Kranke und Leidende in der Seelsorge einen wichtigen Platz einnehmen sollen, ist wohl unbestritten.

Von Matthias Rupper, matthias.rupper@kath-arbon.ch

So ist die Krankenseelsorge in Spitälern, in Alters- und Pflegeheimen schon seit langem fest verankert, fachlich gut ausgebildete Personen sind für diesen Seelsorgeteil zuständig. Die Gedenktage, die an die Kranken erinnern, haben jedoch einen weiteren Horizont, sie wollen uns ins Bewusstsein rufen, dass Krankheit und Leiden zum menschlichen Leben gehören und nicht verdrängt werden dürfen. Es ist noch nicht so lange her, wo bestimmte Krankheiten oder Behinderungen als unwertes Leben abgetan und zur Vernichtung freigegeben wurden. Heute sind wir sehr gut versorgt durch hervorragende Medizin und durch perfekt organisierte Krankenkassen. So beruhigend die sichere Versorgung ist, so dürfen die Kranken dadurch nicht aus dem Blick und dem Mitgefühl der Gesunden verschwinden.

„Scharen von Menschen kamen zu ihm, denn er heilte viele.“
Zur Zeit von Jesus wurden Kranke noch ganz anders beurteilt: Wer krank war, hatte eine Schuld auf sich geladen und musste die vom Gesetz vorgesehene Strafe verbüssen. Die Kranken wurden buchstäblich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, durften sich nicht in der Synagoge aufhalten und mussten im Alltag den Gesunden aus dem Weg gehen. Jesus brachte eine völlig neue Auffassung in die jüdische Glaubenswelt: «Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.» Das selbstgerechte Verhalten der Frommen wurde von Jesus entlarvt, er selbst liess die Kranken hautnah an sich herankommen, er berührte ihre Wunden und befreite sie von ihrem Leiden – er gab ihnen damit nicht nur die Gesundheit, sondern viel mehr noch die menschliche Würde zurück. Die Haltung den Kranken gegenüber hat Jesus kurz vor seinem eigenen Leiden unmissverständlich festgelegt: «Ich war krank, und ihr habt mich besucht.»

Leiden als unlösbares Geheimnis
Zwar vertraut der Mensch heute der modernen Medizin, die immer neue erstaunliche Heilungsmöglichkeiten hervorbringt. Und doch fallen die Menschen bei grossem Leid immer wieder in das alte Muster zurück: «Warum muss ich das erleiden, ich habe doch nichts Schlechtes getan?» Die Vorstellung, dass Gott die Guten belohnt, die Schlechten aber bestraft, ist psychologisch verständlich, aber unzureichend. Jesus selbst hat mit diesem Zusammenhang von Tun und Ergehen aufgeräumt: Leid und Krankheit sind nicht die Folge von menschlichem Fehlverhalten, sie gehören ganz einfach zum menschlichen Leben. Und wie sadistisch wäre ein Gott, der Menschen, darunter auch viele Kinder, leiden lässt und sie dem Tod ausliefert?
Wohl nie kommen wir Menschen näher an die Grenzen unseres Verstandes, als wenn wir das Leid erklären müssen, es wird immer ein unlösbares Geheimnis bleiben. Wir können aber auf unserem Lebensweg in der Richtung wachsen, dass wir das Leid anzunehmen versuchen, auch wenn wir es nicht verstehen. Und wir sollen auch den Mut aufbringen, auf Kranke zuzugehen, sie nicht nur gut zu versorgen, sondern sie am Leben teilnehmen zu lassen, denn der Sinn des menschlichen Lebens erschliesst sich nicht zuletzt durch selbst erlebtes oder mitgefühltes Leid.

Matthias Rupper

 

publiziert am 01.02.2019



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