Lege deine Masken ab

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Die Traditionen rund um Fasnacht sind recht unterschiedlich. Je nach Region und Kanton, manchmal sogar je nach Gemeinde sind die Umzüge, Schnitzelbänke, die Musik und Kleider eine eigene Welt. Bunt, ausgelassen und laut oder zurückhaltend und bedächtig. Es ist eine besondere Zeit im Jahr, die die einen dazu bringt in neue Rollen zu schlüpfen und verkleidet durch die Strassen zu ziehen und die anderen, denen der Trubel zu viel ist, sich hinter geschlossenen Türen zu verstecken.
Liturgisch gesehen ist die Zeit der Fasnacht an Aschermittwoch vorbei, auch wenn die Tradition in unserer Gemeinde eine andere Regelung kennt. Dennoch feiern wir am Aschermittwoch den Start der Fastenzeit.
Sehr eindrücklich erlebte ich als Kind den Aschermittwochsgottesdienst. Die Kirche war voller verkleideter Menschen. Obwohl Aschermittwoch war, kam Gross und Klein im Fasnachtsgewand. Nach der Predigt stellten sich alle für das Aschenkreuz an und wer an der Reihe war, nahm seine Maske, nahm die Kopfbedeckung ab oder schlüpfte aus seinem Gewand. Dann legte unser Pfarrer das Aschenkreuz auf „Kehre um und glaube an das Evangelium“. Es war eine besondere Stimmung in diesem Moment und auch als Kind verstand ich, dass jetzt etwas anders dran ist.
Aschermittwoch als Beginn einer Zeit, in der man seine Masken ablegen darf. Ehrlich zu sich selbst sein, sich wieder einmal bewusst anschauen, wer man wirklich ist und nicht wer man gerne sein will. Rollen abzulegen, die wir im Alltag spielen müssen, Verkleidungen abstreifen, die uns selbst etwas vorlügen.
Die Fastenzeit ist eine echte Herausforderung! Verzicht steht in dieser Zeit gross geschrieben und macht wirklich Sinn. Verzicht auf Dinge die uns Zeit rauben, gibt Freiraum für sich selbst. Verzicht auf Dinge, die wir konsumieren gibt Erkenntnis und neuen, bewussten Genuss. Verzicht auf Dinge, von denen wir abhängig sind, gibt neue Freiheit.
All das was wir in der Fastenzeit tun oder eben lassen, macht aber vor allem dann Sinn, wenn wir es mit Gott tun. Wenn wir nämlich all die Masken abstreifen, die Rollen ablegen, ehrlich sind zu uns selbst, wenn wir verzichten auf das was uns unfrei macht oder die Zeit raubt, wenn wir unseren seelischen Müll anschauen und bereit sind ihn zu entsorgen und loszulassen, dann kommen wir Gott ein gutes Stück näher. Vor allem kommen wir dem Menschen näher, der so wie er ist, so wie er geschaffen und gedacht wurde, nämlich dem geliebten Kind Gottes. Wir alle sind seine geliebten Kinder, und diese Liebe feiern wir an Ostern wieder. Vielleicht wagen Sie es in diesem Jahr wieder neu, bewusst und mutig diese Zeit zu begehen. Ich jedenfalls freue mich auf die kommenden Wochen!

Simone Zierof
Bereitgestellt: 24.02.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch