Pfingsten - das Fest der aufgerissenen Türen

Editorial<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-arbon.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>265</div><div class='bid' style='display:none;'>19243</div><div class='usr' style='display:none;'>85</div>

Zwar geht es noch ein paar Tage bis unser Kalender das Fest Pfingsten ankündigt. Auch dieses Fest werden wir nach Ostern in unseren Häusern und Wohnungen feiern. Vielleicht ein bisschen „lockerer“ als Ostern, aber dennoch sollen wir, wenn möglich, auf Familienbesuch oder Unternehmungen verzichten.
So manche Gläubige warten sehnsüchtig darauf endlich wieder Gottesdienst zu feiern, andere wiederum schauen wohl mit einer Ernüchterung auf die Zeit zurück und stellen fest, dass ihnen nichts gefehlt hat. Wo stehen Sie? Wie hat sich Ihr Glaube in den letzten Wochen entwickelt? Konnten Sie persönlich eine stärkere, persönliche Beziehung zum Gebet in den eigenen vier Wänden erleben? Oder waren und sind Sie gefangen in der Angst und Leere des Eingeschlossenseins und der Einsamkeit, unfähig zu beten? Oder vielleicht irgendetwas dazwischen? Die vergangenen Wochen haben uns in vielen Bereichen an Grenzen gebracht.
In der Pfingsterzählung lesen wir von verängstigten Jüngern hinter verschlossenen Türen, die nicht wissen, wie es weitergehen soll. Ich glaube, als Kirche stehen wir heute an demselben Punkt. Wie weiter? Wohin soll es gehen? Bleiben wir auf dem selben Kurs wie bisher, soll alles bleiben wie zuvor? Wohin wollen wir eigentlich? Was für eine Relevanz haben wir in der heutigen Gesellschaft?

Menschen, denen die katholische Tradition sehr wichtig ist, wollen auf dem selben Kurs bleiben wie bisher, vielleicht wünschen Sie sich sogar eine Kurskorrektur in die gewohnten, lieb gewonnenen Abläufe. Dann gibt es die Menschen, die schon längst die gewohnten Fahrwasser verlassen haben und nach anderen, neuen Wegen suchen, um Glauben und Kirche heute zu leben. Und dann ist da der grosse Teil der Menschen, denen es völlig egal ist, wohin die Kirche geht, die den Bezug zur Gemeinde und zum katholischen Glauben verloren haben.
Das Pfingstereignis erzählt von Gottes Eingreifen. Feuer, Geist, Brausen, Lärm, Verwirrung, Sprachenvielfalt. Die Türen und Fenster wurden aufgerissen, die Jünger und Jüngerinnen wurden von Gottes Geist aus dem Haus geblasen und sprachen die Menschen an, die auf den Strassen unterwegs waren, in der Sprache, die ihr Gegenüber verstand. Ihre Mission: die Auferstehung Jesu verkünden.

Welche Türen sind bei uns verschlossen, die dringend aufgerissen werden sollten? Nicht nur die, die uns an unserem gewohnten Lebenslauf hindern, sondern auch die Türen unserer Kirche? Schaffen wir es heute mit den Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung ins Gespräch zu kommen - über den Glauben, über unsere Hoffnung, so dass sie uns verstehen? Was ist das Relevante, der Mehrwert, den unser Glaube zu bieten hat? Was würden Sie antworten, wenn Sie jemand fragt: „Was bringt mir der Glaube, warum sollte ich glauben?“
Das Sprachenwunder des Pfingsttages ermutigt uns „neue Sprachen“ zu finden, um die „alte Wahrheit“ der Liebe Gottes zu verkünden. Neue Wege zu gehen und trotzdem unsere Identität als katholische Kirche nicht zu vergessen. Gott hat uns keinen Geist der Verzagtheit geschenkt, sondern des Mutes. Sie dürfen mutig sein, weil Gottes Geist in Ihnen wohnt! Sie müssen keine „Fremdsprache“ lernen um zu verkünden, nur in Ihren eigenen Worten von Ihrem Glauben, Ihren Erfahrungen und Ihrer Hoffnung reden. Wenn Sie das tun und ich und wer auch immer, sind wir vielfältig. Freuen wir uns an unseren Gaben und Ideen, an unserer Vielfältigkeit und lassen wir davon ab, unseren eigenen Standpunkt, unsere „Sprache“ zu verteidigen.

Hätten die Jünger ihre Häuser nicht verlassen, hätten sie nicht angefangen zu sprechen, wäre das Christentum eine kleine, unscheinbare Gruppe geblieben, die es vielleicht nicht einmal in die Geschichtsbücher gebracht hätte. Wir aber, wir wollen etwas verändern, die Liebe Gottes aus unseren Häusern und Wohnungen hineintragen. In unsere Stadt Arbon - in die Familien, zu den Alleinerziehenden, zu den Menschen, die unter der Situation leiden, die uns allen zu schaffen macht.
Wenn wir die Türen unserer Kirchen wieder öffnen dürfen, wenn wir endlich wieder miteinander Gottesdienst feiern können, dann vor allem als Stärkung, dass wir mutig die Kirche und unsere Wohnungen wieder verlassen, um neu anzufangen.

Simone Zierof
Bereitgestellt: 22.05.2020     Besuche: 107 Monat  
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