Gesundheit

Editorial<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-arbon.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>265</div><div class='bid' style='display:none;'>19326</div><div class='usr' style='display:none;'>85</div>

Corona hat einen Wert an die Oberfläche gespült, wie wir es uns vorher kaum vorstellen konnten: Gesundheit. Alle waren wir irgendwie betroffen, in jedem Lebensalter, in jeder Gesellschaftsschicht, in allen Berufszweigen. Niemand konnte mit letzter Sicherheit behaupten, dass sie oder er nicht von der Krankheit erfasst werden könnte. Da haben viele zu einer Lebensweisheit Zuflucht gesucht, die eigentlich nur schwer zu bestreiten ist: Die Gesundheit ist das höchste Gut im Leben.
Wer einmal lange krank oder schwer krank war, wird durch die Erinnerung einen schnellen Zugang zu diesem Gedanken finden: «In dieser Zeit ging es mir schlecht, da habe ich den Lebensmut fast verloren, da habe ich nur noch gehofft, dass ich das alles durchstehe.» Und man muss dann wieder wie Tritt finden im normalen Leben. Denn normales Leben schliesst ein, dass wir gesund sind. Wobei dieser Begriff von Gesundheit ja verkürzt ist: Wir denken dabei nur an die körperliche Gesundheit, psychische oder seelische Krankheiten sind oft nicht sichtbar von aussen und darum im Alltagsleben inexistent. Ein vergängliches Gut In der Bibel begegnen wir immer wieder kranken Menschen, die sich nicht davon befreien konnten: Der Lahme möchte zum heilenden Wasser, aber niemand hilft ihm, so kommt er immer zu spät. Aussätzige mussten ausserhalb der Dörfer und Städte leben, da sie keinen Kontakt mit den Gesunden haben durften. Die psychisch Kranken waren von Dämonen besessen, die sie in ihren Fängen hielten. Kranksein war für diese Menschen Lebensschicksal, oft auch als Strafe Gottes für sündhaftes Leben gedeutet. In drastischen Worten wird der Mensch daran erinnert, dass er ein vergängliches Wesen ist: «Die Menschen sind nicht mehr als das wachsende Gras. Am Morgen blüht es und grünt, abgemäht ist es am Abend und welkt. Wie schnell ist alles vorbei, und wir sind nicht mehr. Du sagst, du sterblicher Mensch, werde wieder Staub. Und du bringst ihn dorthin zurück, woher er gekommen ist». (Buch der Psalmen).

Mensch sein ist mehr als gesund sein
Jesus hat sich den Kranken zugewandt, weil er dieser Deutung von Krankheit vehement widersprochen hat, dass der Mensch seine Krankheit selbst verschuldet hat. Seine Heilungen sollten ebenso zeigen, dass Gott nicht tatenlos zuschaut, wie Menschen ein Leben lang in der Krankheit gefangen sind. Denn zum körperlichen Leiden kam die soziale Not: Die Kranken waren vom Gemeinschaftsleben ausgeschlossen; Jesus führte sie zurück und machte so deutlich, dass Menschsein noch viel mehr einschliesst als nur Gesundheit. Im Hebräischen ist erfülltes Leben im Begriff Schalom zusammengefasst. Da ist gemeint, dass sich der Mensch am Leben freuen kann, dass er wohlauf ist, auch leiblich, genügend genährt und gut umsorgt. Und von anderen Menschen wird er anerkannt, er lebt versöhnt mit ihnen und ist sicher vor Übergriffen. Und er nimmt am Leben der Gemeinschaft teil, setzt seine Fähigkeiten aktiv ein und erfährt so Sinn und Zufriedenheit. Nicht immer ist ungeteiltes Leben in Schalom möglich, Not und Krankheit können jeden Menschen treffen. Doch auch dann ist das Leben nicht sinnlos, mit Geduld und Vertrauen können Teile von Schalom zurückgewonnen werden.

Realistische Haltung in schwieriger Zeit
Die Krisenzeit, die wir durchleben und von der wir nicht wissen, wie lange sie anhält, kann uns zu einer realistischen Einschätzung führen: Wir werden uns bewusst, dass es ein unverdientes Glück ist, gesund zu sein. Und dass es ein grosser Segen ist, wenn wir von Krankheiten geheilt werden und wieder in den normalen Lebenskreis zurückkehren. Aber es ist uns auch aufgegangen, dass selbst die hochentwickelte Medizin unserer Gesellschaft nicht aufheben kann, dass wir Menschen verletzliche Wesen sind und dass wir diese Wahrheit in unsere Lebensgestaltung aufnehmen sollten. Das bietet sich uns als versöhnliches Ziel an: auch Leiden und Krankheit als sinnvollen Teil des Lebens anzunehmen und doch die Hoffnung auf Genesung und Heilsein zu bewahren.

Matthias Rupper
Bereitgestellt: 04.09.2020     Besuche: 52 Monat  
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