"Betet freie Schweizer, betet..."

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Am Sonntag, 20. September um 9.30 Uhr findet zum Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag ein ökumenischer Gottesdienst in der evangelischen Kirche Arbon statt. Pfarrer Hans Martin
Enz und Tobias Zierof, Co-Gemeindeleiter, feiern diesen Gottesdienst ökumenisch und halten fest, was für sie christlicher Glaube ist. Musikalisch umrahmt wird dieser Gottesdienst von Barbara Enz, Klarinette und Simon Menges, Orgel. Herzliche Einladung!

Die politische Bettagsfeier findet um 17 Uhr ebenfalls in der evangelischen Kirche statt. Zu Gast
ist Regierungspräsident Walter Schönholzer mit einer Bettagsbotschaft zum Thema «In Gottes Hand geborgen». Die Vertreter der Arboner Ortsparteien, die Stadt Arbon sowie die katholische und evangelische Kirchgemeinde laden herzlich ein!
GEDANKEN ZUM BETTAG
So singen wir in unserer Nationalhymne, meist ohne langes Nachdenken. Wenn die heutigen Schweizerinnen und Schweizer eine neue Nationalhymne kreieren müssten, sie würden wohl andere Worte wählen. Und auch der Bettag würde kaum mehr neu eingeführt. Das soll nicht zu einer Verklärung der Vergangenheit führen, sondern zur Frage, was uns der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag in unserer Zeit und Gesellschaft bedeutet.

Friede im Land
1832 wurde der Bettag verbindlich am dritten Sonntag im September festgelegt. Die Zeitumstände waren ganz andere, noch immer standen sich konservative Katholische und liberale Reformierte unversöhnt gegenüber, es brauchte noch einmal eine kriegerische Auseinandersetzung, bis 1848 der Bundesstaat gesichert war und damit auch der Friede im Land. Der Bettag hatte damals zuerst eine staatlich-politische Bedeutung; er sollte alle Einwohner auf die Wurzeln in der christlichen Tradition hinweisen und zur Festigung des jungen Staates beitragen. So waren es in diesen Jahrzehnten die Kantonsregierungen, die Bettagsaufrufe an die Kantonsbürger erliessen und in diesen so genannten Bettagsmandaten neben politischen auch sittliche und geistige Themen aufnahmen. Der wohl bekannteste Mandatsverfasser war Gottfried Keller in seiner Funktion als Zürcher Staatsschreiber. In der Folge führten an Stelle der Kantonsregierungen die Landeskirchen und Bistümer diese Tradition weiter. In den letzten Jahrzehnten wurde der Bettag grundsätzlich in Frage gestellt: Der Staat als säkulare Institution habe nicht die Aufgabe, einer pluralistischen Gesellschaft einen religiös geprägten Feiertag zu verordnen. Doch haben die Schweizer Staatsbürger den Bettag bisher beibehalten, wenn auch in vielen Fällen ohne innere Überzeugung und ohne praktische Beteiligung. Die Frage, welchen Inhalt, welchen Sinn der Bettag für uns heute hat, stellt sich
immer wieder neu.

Ein Tag zum Danken
Im 17. Jahrhundert hat man dafür gedankt, dass man nicht in den grausamen Dreissigjährigen
Krieg hineingezogen wurde. Im 20. Jahrhundert waren Schweizer dankbar, dass sie in den beiden Weltkriegen verschont geblieben sind. Solche Bedrohungen gab es in den letzten Jahrzehnten nicht mehr. Es gibt aber genügend Gründe, auch heute dankbar zu sein. Denn, dass es uns gut geht, dass wir über sichere Sozialwerke verfügen, dass Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit bei uns gesichert sind, dass wir über grosse Bildungsmöglichkeiten verfügen, das ist alles nicht selbstverständlich, wenn wir über die Landesgrenzen schauen. Dankbarkeit muss aber nicht immer einen konkreten Grund haben; dankbar sein ist eine Lebenshaltung. Die ökumenischen Gottesdienste am Bettag nehmen diesen Gedanken auf: Dankbar sind wir für unser Land als dem gemeinsam erbauten und bewohnten Haus, mit allen politischen, kulturellen und religiösen Unterschieden und Besonderheiten.

Verzichten
Busse tun – das sagt vielen Menschen nichts mehr. Wo keine beweisbare Schuld vorliegt, da gibt es auch keinen Grund zum Büssen. Daher ist der Gedanke vom Verzichten sinnvoller; denn Verzichten setzt eine innere Bereitschaft voraus. Früher haben die staatlichen Organe am Bettag Sport-, Kultur- und Unterhaltungsanlässe wie Tanzen verboten, was aber ein auferlegter Zwang war und nicht freiwillige Einsicht. Dass wir in unserem Land auf grossem Fuss leben – allerdings nicht alle -, dass unser Wohlstand zwar mit Arbeit erworben, aber zum Teil auch auf Kosten anderer Länder und Erdbewohner geht, das soll am Bettag kritisch zum Bewusstsein kommen. Dann haben auch Gedanken Platz, wie es mit Verzicht und Selbstbescheidung auch anders gehen könnte. Wir können auf etwas verzichten, und sind dann auch nicht davon abhängig.

Beten
Vielleicht haben verschiedene Menschen in der gegenwärtigen Corona-Zeit wieder einen Zugang zum Beten gefunden. In der Not darf sich der Mensch an Gott wenden und um Hilfe bitten. Aber das Motto «Not lehrt beten» ist auch schnell wieder vergessen in besseren Zeiten. Beten ist aber nicht eine Pflichtübung, sondern die wunderbare Möglichkeit, vor Gott mein ganzes Leben zur Sprache zu bringen. Wer sich das immer wieder klar macht, wird Beten anders erleben: Ich kann loslassen und übergeben. Wir beten aber auch nicht allein: Das gemeinsame Vaterunser am Bettag lässt uns spüren, dass wir auch eine Gemeinschaft im Glauben sind. Im Gottesdienst fühlen wir uns verbunden, als Glaubende, als Bürger dieses Landes, als Mitmenschen in einem Dorf, einer Stadt, als Menschen mit Werten, die unser Zusammenleben sinnvoll gestalten. Der Bettag heute ist nicht mehr von oben verordnet; solange er seine Wurzeln in unserer inneren Überzeugung hat, bleibt er ein wertvoller Tag im Schweizer Jahresablauf.

Matthias Rupper
Bereitgestellt: 16.09.2020     Besuche: 30 Monat  
aktualisiert mit kirchenweb.ch