Zum Jahreswechsel

balloon-3206530_1920<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-arbon.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>265</div><div class='bid' style='display:none;'>19434</div><div class='usr' style='display:none;'>85</div>

Nehmt Abschied, Brüder,
Ungewiss ist alle Wiederkehr,
die Zukunft in Finsternis
und macht das Herz uns schwer.

Refrain: Der Himmel wölbt sich überm Land.
Ade, auf Wiederseh‘n!
Wir ruhen all in Gottes Hand.
Lebt wohl, auf Wiederseh‘n!

Die Sonne sinkt, es steigt die Nacht,
Vergangen ist der Tag.
Die Welt schläft ein, und leis erwacht
Der Nachtigallen Schlag.

Es ist in jedem Anbeginn
das Ende nicht mehr weit,
wir kommen her und gehen hin,
und mit uns geht die Zeit.

Nehmt Abschied, Brüder, schliesst den Kreis!
Das Leben ist ein Spiel;
und wer es recht zu spielen weiss,
gelangt ans grosse Ziel.
Dieses Lied ist mittlerweile ein Klassiker zum Jahreswechsel. Der Schriftsteller Claus Ludwig Laue hat den deutschen Text 1946 verfasst und greift auf ein altes schottisches Lied zurück. Es ist ein Pfadfinder-Lied, das von England aus, bald in der ganzen Welt bekannt wurde. An vielen Orten wird an Silvester kurz vor Mitternacht das Glas auf verstorbene Freunde und Verwandte erhoben, dieses Lied gesungen und Abschied vom vergangenen Jahr genommen. Dieses Lied drückt die Unsicherheit aus, dass wir nie wissen, ob es ein nächstes Treffen der «Brüder» geben wird. Doch immer wieder wird der Glaube, die Hoffnung und die Gewissheit ausgesprochen: «Wir ruhen all in Gottes Hand! Lebt wohl, auf Wiedersehen». Dass wir uns der Vergänglichkeit des Lebens gegenwärtig sein sollen, daran werden wir in der dritten Strophe erinnert. Auch werden wir ermahnt, dass wir unser Leben nutzen sollen. Obwohl es im Lied nicht direkt angesprochen ist, geht man davon aus, dass das grosse Ziel das ewige Leben meint.

Abschied nehmen, die Ungewissheit, die Frage nach einem Wiedersehen, die Endlichkeit, die Frage nach dem guten Leben und dem Gottvertrauen, das sind Themen, die im vergangenen Jahr stärker als sonst im Fokus waren. Von wieviel Menschen mussten wir Abschied nehmen? Wieviel Menschen konnten wir nicht treffen – und wissen auch bis heute nicht, wann wir sie wiedersehen werden? Wie sicher ist die Zukunft, das was einmal normal war, wird es wieder sein können? Wir sind der Endlichkeit und der Unberechenbarkeit des Lebens oft schmerzlich bewusst geworden. «Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden» beten wir mit dem Psalm 90. Vielleicht hat uns dieses Krisen-Jahr gelehrt wieder genauer auf unser Leben zu schauen, tiefer nach dem Sinn und dem Halt, nach dem «grossen Ziel» zu fragen. Vielleicht wurde unser Gottvertrauen, durch persönliche Schicksale auf die Probe gestellt? Vielleicht ist uns neu bewusst geworden, wie wichtig freundschaftliche und familiäre Kontakte sind?

Nehmen wir bewusst Abschied vom vergangenen Jahr, erheben wir unsere Gläser auf unsere Erfahrungen, auf das, was wir gelernt und erkannt haben, auf unsere Freunde und unsere Verluste und vertrauen wir es Gott an! «Die Zukunft liegt in Finsternis» und doch «ruhen wir alle in Gottes Hand».

Ich wünsche Ihnen einen guten Jahreswechsel mit Kraft zum Loslassen und Zuversicht, dass Sie getragen sind!

Simone Zierof
Bereitgestellt: 29.12.2020     Besuche: 62 Monat  
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