Fastenzeit - Ein Weg des Glaubens in der Krisenzeit

Fastenzeit-Ein Weg des Glaubens in der Krisenzeit<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-arbon.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>265</div><div class='bid' style='display:none;'>19467</div><div class='usr' style='display:none;'>85</div>

Jede Krisenzeit stellt uns vor viele Fragen.
Nicht nur Fragen der Wirtschaft und den
gesellschaftlichen Veränderungen, sondern
auch Fragen des persönlichen Lebens und
dessen Sinns. Nach einer Statistik sind im
Jahr 2019 in der Schweiz 31‘772 Personen
aus der Katholischen Kirche ausgetreten.
Das ist ein Viertel mehr als im Jahr 2018
(25‘366). Gerade in dieser Coronakrise ist
diese Zahl gestiegen. Trotz diesen Zahlen
sind wir überzeugt, dass die gelebte Religion
und der Glaube vielen Menschen Halt und
Zuversicht gibt.
Oft identifizieren Menschen die Religion und den Glauben mit der organisierten Struktur und dem System, nicht mit der Gemeinschaft der Glaubenden. Nach der Glaubenstradition und der geoffenbarten Heilsgeschichte der Bibel ist die Kirche das «neue Israel» und Volk Gottes mit der grossen Aufgabe, Jesus Christus heute präsent zu machen, mit dem Ziel der Verwirklichung des Reiches Gottes – das Reich des Friedens, der Liebe und Gerechtigkeit. In diesem Sinne ist die Kirche nicht nur das sichtbare System oder die Struktur, sondern auch die unsichtbare Gemeinschaft mit der ganzen Reihe der Menschen in der Heilsgeschichte.

Unauflösbares Merkmal
Die Kirche als die Gemeinde der Glaubenden ist die Gemeinschaft aller Getauften. Kirchenaustritt bedeutet in keinem Fall Austritt aus dieser Gemeinschaft. Deswegen kann man aus der «Kirche Gottes» nicht austreten. Ich erinnere mich, wie wir als Kinder im Katechismus gelernt haben, dass das Sakrament der Taufe einen Charakter des unauflösbaren Siegels hat. Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt darüber im Artikel 1121: «Drei Sakramente: Die Taufe, die Firmung und die Weihe verleihen zusätzlich zur Gnade einen sakramentalen Charakter, ein «Siegel», durch das der Christ am Priestertum Christi teil hat und in unterschiedlichen Ständen und Funktionen der Kirche angehört. Es verbleibt für den Christen für immer die Empfänglichkeit für die Gnade, als Verheissung und Gewähr des göttlichen Schutzes und als Berufung zum Gottesdienst und zum Dienst der Kirche. Diese Sakramente können folglich nicht wiederholt werden.

Abraham
Mit diesem Hintergrund wollen wir als die gegenwärtigen Mitglieder der grossen Reihe der Menschen in der Heilsgeschichte auf eine Person blicken, von der wir in der Fastenzeit in der Lesung hören. Abraham, der Vater des Glaubens. Abraham, menschlich gesehen, steht er in einem grossen Dilemma. Er soll seinen einzigen Sohn, durch den Gott selber ihm Nachkommen verheissen hat, hergeben. Der dänische Philosoph und Theologe Sören Kierkegaard hat ein Buch über dieses Dilemma geschrieben: «Furcht und Zittern». Mit drei Problemata präsentiert Kierkegaard Abraham in diesem Buch als einen Kämpfer des Glaubens gegen die passive Resignation. Der Kämpfer sieht noch vieles als paradox, aber nie resigniert er, immer geht er in eine aktive Richtung des Glaubens vorwärts, obwohl kein Mensch es verstehen kann. Deswegen ist der Glaube die grösste Leidenschaft für den Glaubenden. Vielleicht kann uns, inmitten vieler widersprüchlichen oder paradoxen Dilemmas der heutigen Welt dieses Bild von Abraham helfen. Die Geschichte von Abraham ist eine für uns heute sehr unverständliche Geschichte: Gott fragt nach einem Menschenopfer. Gott verlangt, dass Abraham das hergibt, was der ganze Inhalt seines Lebens ist. Abraham tut, was Gott ihm zumutet. Sein Glaube geht über die Liebe zu seinem Sohn, über alles Menschliche hinaus. Kann Gott solches verlangen? Da gibt es viele Fragen. Wir wollen diese Fragen einer anderen Frage gegenüberstellen. In seinem Brief an die Römer schreibt Paulus: «Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?»

Bereit für die Liebe zu Gott
In dieser Fastenzeit gehen wir auf den Karfreitag zu. Jesus, der Sohn Gottes wird geopfert: In Jesus stellt Gott alles auf den Kopf, und damit enden alle Opfer für Gott. Aus seiner Liebe für uns opfert Gott mit Jesus, seinem Sohn, sich selbst. Dieses Opfer Gottes wird immer wieder neu auf unseren Altären vollzogen, wenn Jesus im Brot an uns ausgeteilt wird: Gott gibt sich in Jesus hin für uns. Da kommt mir eine Frage in den Sinn: Wie sieht es mit meiner Liebe zu Gott aus? Bin ich bereit, für meinen Glauben etwas einzusetzen oder zu opfern? In jeder Krise sind wir Menschen versucht, den anderen die Schuld zu geben. Begonnen hat es mit Adam, der nach dem Sündenfall zuerst Eva, danach Gott selbst die Schuld gegeben hat. Oder die Menschen, die die Ehebrecherin steinigen wollten. Jesus sagte zu ihnen: «Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.» Wenn ich mit meinem Finger auf mich zeige, kann meine Hand keinen Stein heben, um andere zu steinigen. Man konfrontiert sich mit dem eigenen Stein im Herzen. Der Mut des Glaubens bedeutet, das eigene Ich zu konfrontieren, den Stein im eigenen Herz zu erkennen. Abraham, der Kämpfer des Glaubens, steht vor uns als einer, der in jeder Situation des Lebens nicht resigniert hat, sondern immer auf dem Glaubensweg nach vorne gesehen hat und gegangen ist. Für uns Glaubende und Getaufte ist es eine Einladung, den gleichen Weg in dieser Krisenzeit zu gehen.

Joseph Devasia
Bereitgestellt: 16.02.2021     Besuche: 35 Monat  
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