Der lange Weg zu Ostern

<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-arbon.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>265</div><div class='bid' style='display:none;'>19493</div><div class='usr' style='display:none;'>85</div>

Ostern ist das wichtigste christliche Fest, der christliche Glaube ist durch die Botschaft von Ostern begründet: Das Leben ist stärker als der Tod. Was uns als Hoffnung und Ermutigung geschenkt ist, stösst in der heutigen westlichen Christenheit aber vielfach auf Misstrauen und Ablehnung, auch bei normalen Christgläubigen.
Denn das, was in unserer Gesellschaft zählt – der wissenschaftliche Beweis, verlässliche und nachprüfbare Daten – das vermag das Osterereignis nicht zu liefern. Ein leeres Grab und die wenigen Erscheinungen des Toten – das führt nicht zur gewünschten Klarheit. Es wird dann so ausgelegt: Der Leichnam wurde gestohlen, die Zeugen erlagen ihren Halluzinationen. So ist der Osterglaube heute für viele eine Ansichtssache und nicht eine Antwort auf die letzten Fragen unseres Lebens. Aus anderen Religionen kennen wir eine andere Antwort: die Reinkarnation, ein neues Leben auf dieser Welt, eine neue Chance für ein besseres Leben. Aber auch dieses zweite Leben wird wieder auf den Tod hinauslaufen; der Hinduismus hat darum als letztes Ziel das Ende der Wiedergeburten. Warum fällt es uns schwer, den Osterglauben als letzte und verlässliche Antwort auf die letzten Fragen des irdischen Lebens zu sehen?

Verständliche Enttäuschung
Wir brauchen uns keine Vorwürfe zu machen. Selbst die Augenzeugen können es nicht fassen,
die Frauen nicht, die Jünger nicht, es übersteigt ihre Vorstellungen. Ein gutes Beispiel ist das
Evangelium vom Ostermontag. Zwei Jünger gehen weg von Jerusalem, heim nach Emmaus.
Sie sind ganz gefangen in ihrer Trauer und sie sehen nichts, was sie davon befreien könnte. In
ihren Gesprächen hängen sie ihren enttäuschten Hoffnungen nach, sie müssen ihre depressive
Stimmung und die Sinnleere aushalten. Um daran etwas zu ändern, braucht es Zeit und
Therapie. Was die Jünger dann auch bekommen: Der Wanderer stellt zwar komische Fragen,
aber es bleibt bei ihnen doch der Eindruck, dass er die Zusammenhänge erkennt, die ihnen
verschlossen sind. Und erst am Abend, als sich ihre Wege trennen und sie ihn doch noch zum
Bleiben überreden können, geht ihnen ein Licht auf – jüngere Menschen würden sagen, jetzt
«checken» sie es.

Schritte zur neuen Sicht
Doch es ist nicht ein einzelner Gedankenblitz, sondern es ist der ganze Weg, der ihnen den Blick
für die Wahrheit von Ostern eröffnet hat. Der erste Schritt war die Möglichkeit, dass sie unter
sich aussprechen konnten, was sie so sehr enttäuscht hat, was ihnen seelisch weh getan hat.
Wie gut tut es uns, wenn wir unsere Sorgen und Nöte nicht verstecken müssen, sondern das
mitteilen dürfen und verstanden werden! Dann ist der zweite Schritt möglich: Wir tauchen aus
dem Dunkel auf und öffnen unseren Blick für neue Perspektiven. Es ist nicht alles verloren, wir
haben die Hoffnung, unser Leben in eine andere Richtung zu entwickeln. Viele Menschen in
unserem Land müssen sich wegen der Pandemie neu orientieren; das braucht viel Kraft, aber
auch viel Vertrauen in diese Lebensquelle, die uns an Ostern geschenkt wird: Nach dem Dunkel
des Karfreitags erscheint das Licht von Ostern. Damit sind nicht alle Probleme gelöst, aber wir
spüren, dass wir nicht allein sind, dass der unbekannte Wanderer den Weg mit uns geht. Und
dann ist auch der letzte Schritt möglich: So wie den Jüngern von Emmaus gehen auch uns die
Augen des Herzens auf, und wir erkennen mit stiller Freude: Doch, es ist möglich, es gibt einen
Weg, der neues Leben eröffnet!

… und ein neuer Weg
Diese tiefe Einsicht wünschen wir allen Menschen, die im Moment nicht wissen, wie es weitergehen soll und die auch keine Antwort im Glauben suchen in der Hoffnung, dass sie sich nicht in der Not vergraben und alle Fenster schliessen. Denn Ostern heisst nicht, dass es so weitergeht wie bisher: weiterleben, weitermachen, immer so weiter; Ostern heisst: neuer Mensch und neue Welt. Das Leben und Sterben von Jesus hat der Geschichte eine neue Richtung gegeben. Darum ist es kein Osterspaziergang, sondern ein langer Weg: Es braucht Geduld, es braucht den offenen Blick, und es braucht die Augen des Herzens, die uns das Unglaubliche bewahren lassen: Das Leben ist stärker als der Tod. In diesen schwierigen Zeiten sind existentielle menschliche Fragen vielen Menschen wieder näher gekommen, so könnte auch das Geschehen von Ostern neue Strahlkraft für uns alle gewinnen.

Frohe Ostern Euch und Ihnen allen – in diesem Jahr nicht aus frommer Routine gesprochen,
sondern im Blick auf die Not der Menschen und auf das Licht von Ostern!
Matthias Rupper
Bereitgestellt: 02.04.2021     Besuche: 64 Monat  
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