Motivator und Begeisterer (oder: wenn dir einer in den Hintern tritt…)

Immer wieder bin ich begeistert vom Heiligen Geist. Und ich bin dankbar, dass wir an ihn als die Kraft Gottes glauben dürfen. In ihm wirkt Gott in der Welt.
Aber, wenn wir so in die Bibel hineinschauen und entdecken, wo der Geist auftaucht, dann müssen wir uns eingestehen, dass er viel mehr ist als ein sanftes Lüftchen. Wie kaum ein anderes Fest zeigt uns das Pfingsten. Nicht ohne Grund spricht die Bibel in diesem Zusammenhang von Feuer(zungen). Und wenn ich mir den Gedanken erlauben darf: Wenn wir ernst nehmen, was damals passiert ist, hat der Heilige Geist den Jüngern nicht nur Feuerzungen über ihren Köpfen entzündet, sondern auch sprichwörtlich «Feuer unter dem Hintern» gemacht. Denn eigentlich wollten sie sich ja zurückziehen, verstecken und am besten nicht mehr auffallen. Und das ist ja verständlich. Immerhin waren nach der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu die Römer und vor allem die Juden hinter ihnen her. Keiner wollte genauso enden wie Jesus. Aber so konnte das ja nicht weitergehen. Wahrscheinlich spürten das schon einige. Die Nachricht vom Sieg über den Tod, von Jesu Auferstehung und vor allem dem Einsatz Gottes für die Menschen – das musste doch erzählt werden…Nur, es traute sich halt keiner. Bis zu diesem Pfingstfest.

Da hat der Hl. Geist sie ordentlich durchgeweht. Was genau damals passiert ist, wissen wir nicht. Aber irgendetwas Bahnbrechendes muss passiert sein, was der Evangelist Lukas hier versucht mit diesen Bildern vom Sturm und Feuer zu beschreiben. Sonst hätten die Jünger ja nicht plötzlich diese Kehrtwende gemacht und sich ihren Ängsten gestellt. Sie bekommen auf einmal Mut und die Kraft und können nicht mehr anders. Sie müssen diese Nachricht weitersagen – egal was kommt. An diesem Tag rennen sie nach draussen und erzählen allen – wirklich allen – von Jesus. Und, dass sie stolz sind, zu ihm zu gehören. Das war der Heilige Geist. Und ich weiss, der wirkt heute immer noch! Diesen «Tritt in den Hintern» spüre ich persönlich immer wieder; wenn es mich drängt, etwas anzupacken. Besonders unangenehm spüre ich ihn dann, wenn ich merke, was sich Gott gerade von mir wünscht und wo er mich braucht. Da fühle ich mich manchmal wie die Jünger, die wissen, was jetzt dran wäre – aber die Angst vor den Konsequenzen hatten, sich nicht fähig fühlten oder vielleicht auch einfach
keine Lust hatten.

Aber – und das ist wichtig: Der Heilige Geist ist nicht nur manchmal etwas anstrengend, sondern er hilft auch dabei, die Herausforderungen zu meistern. Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich nicht weiter weiss und keine Idee habe, wie es ausgeht. Immer wieder merke ich dann, dass ich von woanders her den entscheidenden Tipp, die Unterstützung, die Idee bekomme, dass sich Knöpfe lösen und ich auch die Angst verliere. Wenn ich dann von «oben» plötzlich Mut bekomme, über meinen eigenen Schatten zu springen, dann sind das die Momente, in denen ich den Heiligen Geist für mich entdecke. Und ich habe gelernt: Ich kann der Kraft des Heiligen Geistes immer vertrauen! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ermutigende, bewegende und herausfordernde Pfingsten.

Tobias Zierof
Bereitgestellt: 13.05.2021     Besuche: 59 Monat  
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