Das Schicksal von Immanuel

In den letzten Wochen kamen im Hinblick auf den Konflikt zwischen Palästinas Hamas und Israel in den Medien immer wieder verschiedene Berichte über die Geschichte Israels und des jüdischen Volkes – ein Volk, das in der Geschichte oft auf der Flucht und verfolgt gewesen ist.
Mit dieser Dimension der Geschichte des Volkes Gottes in der Bibel kommt der Inhalt und die Botschaft des Festes Fronleichnam vor Augen. Der ganzen Geschichte des Volkes Gottes auf der Flucht wurde eine Orientierung und das Ziel gegeben durch die Verheissung eines Landes.
Diese Reise des Volkes ins Land Kanaan ist immer geleitet durch verschiedene Zeichen der Begleitung und Gegenwart Gottes – Zelt, Bundeslade. Diese Verheissung von Gottes Gegenwart mit seinem Volk kam durch Jesus Christus zur Erfüllung – Immanuel, Gott mit uns. In Jesus haben wir einen Gott, der mit seinem Volk als einer von uns wohnt, der uns gleich geworden ist in allem ausser der Sünde. Ein Gott, der mit uns wohnen will, ist für uns alles geworden. Und er will uns das Leben schenken. Deswegen ist er das Brot geworden, das Brot des Lebens.

Fronleichnam ist das Fest dieses Geheimnisses. In Jesus ist die Verheissung des Landes erfüllt mit einer neuen Dimension des Reiches Gottes – das Reich des Friedens, der Liebe und der Gerechtigkeit. Dieses Reich Gottes ist aber nicht etwas, was wir mit einem heiligen Krieg oder Kampf gewinnen sollten, sondern ein Reich, das verwirklicht wird durch die Wirkung des Heiligen Geistes. Ein Reich, das mit einer «metanoia» beginnt, einer Bekehrung des Herzens. Gerade zu Beginn dieses normalen Jahreskreises in der Liturgie sind die Sonntagsevangelien orientiert auf die Verkündigung dieses Reiches Gottes. Die Feste des heiligsten Herz Jesu und des unbefleckten Herzens Mariens im Juni sind ein Aufruf für die Bekehrung des Herzens, damit dieses Reich der Liebe, Gerechtigkeit und des Friedens verwirklicht wird. Die Geschichte der Bibel ist eine Geschichte Gottes, der die Herrlichkeit des Himmels verlassen hat, um uns den Himmel, die Herrlichkeit und das verheissende Reich Gottes zu schenken. Das Schicksal dieses menschgewordenen Gottes vor 2000 Jahren war ein Stall als Geburtshaus (er bekam keinen menschenwürdigen Ort als Geburtsort) und ein Kreuz – gestellt zwischen Himmel und Erde und seine eigenen Schultern für den letzten Atemzug sowie ein geliehenes Grab für die Ruhe seines Körpers. Um für uns alles zu werden und um uns das Leben zu schenken, hat er sein Leben hingegeben. Das Reich Gottes von ihm verkündet, fordert keinen heiligen Krieg, sondern einen Aufruf, seinem Weg zu folgen. Dieser Weg der Liebe und des Kreuzes ist die Botschaft seines Lebens, die Botschaft des Evangeliums und die Sendung der Kirche. Dieser Weg ist gerade vor unserer Haustür und vor unserer Herzenstür. Ist Jesu Schicksal noch Wanderung? Findet er noch offene Türen?

Joseph Devasia
Bereitgestellt: 11.06.2021     Besuche: 14 Monat  
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