«Gönn Dich Dir selbst!»

«Zurzeit ist mir alles zu viel». «Ich komme gar nicht mehr zur Ruhe». «All die Termine und Verpflichtungen, dazu noch der Partner und die Kinder, ich weiss gar nicht, wie ich das alles unter einen Hut bringen soll». «Ich weiss gar nicht, wann ich das letzte Mal wirklich Zeit für mich hatte».
Solche Sätze höre ich immer wieder, vor allem von Menschen in der Familienphase und noch öfter von berufstätigen Müttern. Es ist wirklich schwierig geworden, heute alles unter einen Hut zu bekommen und allem und jedem gerecht zu werden. Der äusserliche Druck der Gesellschaft, der ein perfektes Familienbild vorgibt, der Freizeitstress, die Idee, seinen Kindern alles zu ermöglichen oder auch die finanziellen Sorgen, die so manche dazu zwingen, mehrere Jobs annehmen zu müssen. Dazu kam in den letzten Monaten für viele die Homeoffice-Belastung, welche die tägliche Distanz zur Familie verunmöglicht hat. Vor allem bei Müttern meldet sich dann noch das schlechte Gewissen und die eigenen Bedürfnisse werden über Jahre zurückgestellt – Selbstaufgabe zum Wohle der Familie. Dass Menschen im Familienalter heute stärker von Burn-out und Erschöpfungskrankheiten betroffen sind, wundert nicht.

Selbstfürsorge sollte jede Woche in der Agenda stehen, oder besser jeden Tag. Das kann der Kaffee alleine sein, die 15 Minuten Stille beim Spaziergang, das abendliche Jogging, wenn die Kinder im Bett sind, oder auch ein Wochenende nur für sich. In diesen wertvollen Zeiten tankt man wieder Energie und hat mehr Kraft und Geduld für seine Beziehungen. Dass das Thema schon lange aktuell ist, wurde mir wieder bewusst, als ich vor kurzem über einen Text gestolpert bin, den Bernhard von Clairvaux an Papst Eugen III im 12. Jahrhundert geschrieben hat:

«Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst.» Du fragst: «An welchen Punkt?» An dem Punkt, wo das Herz hart wird. Wenn also die Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei du selbst, ein Mensch, der ein Recht auf sich selber hat. Warum solltest einzig du selbst nichts von dir haben? Wie lange noch schenkst du allen anderen deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selbst? Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, mit wem kann er dann gut sein? Denke also daran: «Gönne dich dir selbst.» Ich sage nicht: «Tu das immer», ich sage nicht: «Tu das oft». Aber ich sage: «Tu das immer wieder einmal.» Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da!»

Seien Sie mutig und nehmen Sie sich in den nächsten Wochen bewusst Zeit für sich selbst. Das tut Ihnen gut und allen anderen auch!

Simone Zierof
Bereitgestellt: 25.06.2021     Besuche: 30 Monat  
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