Seniorenausflug

«s isch jo immer, immer e so gsi» – diese Melodie summte uns Frau Castro vor und fragte dann nach dem Text, was mehrere Teilnehmende sofort erkannten: das Solothurnerlied. Ja, Solothurn war das Ziel des Seniorenausfluges am 18. August.
Mit über 50 Interessierten gingen wir auf die weite Reise, die sich dann doch nicht so lang erwies, jedenfalls konnten Frau Castro und Herr Ramseier vom Tourismusverein unsere beiden Gruppen wie abgemacht zur Stadtführung übernehmen.

Stadtführung
Unten an der St.Ursentreppe haben wir uns versammelt, so war klar, dass wir die gleichnamige Kathedrale als erste bedeutsame Sehenswürdigkeit betraten. Der hohe Sakralbau nimmt die Besuchenden nur schon durch seine Helligkeit gefangen. Der Bau dieser Kirche, die den beiden Märtyrern Ursus und Viktor geweiht ist, musste viele Hürden überwinden, bis er fertiggestellt und 1828 zur Bischofskirche ernannt wurde. In die Schlagzeilen geriet die Kathedrale zuletzt 2011 durch einen Brandanschlag, der eine Renovation erforderlich machte. Dann ging es in den staatlichen Bereich der Ambassadorenstadt. Bis 1792 hatte Frankreich eine ständige
Ambassade (Anlaufstelle für den Solddienst) in Solothurn, was die Bedeutung der Stadt
wesentlich hob und sie zu einem Zentrum des politischen und wirtschaftlichen Lebens der
Eidgenossenschaft machte. Stattliche Bauten und phantasievolle Brunnenstatuen zeugen von dieser Zeit. Der Rundgang führte uns zum Schluss an die Aare, den breiten Fluss, der charakteristisch zum Stadtbild von Solothurn gehört. Zum Mittagessen kamen wir im Hotel Roter Turm wieder zusammen, im Speisesaal mit vielen verschiedenen Uhren genossen wir das feine Essen und stärkten uns für den zweiten Teil des Ausflugs.

Verenaschlucht
Bei der Andacht in der Pfarrkirche St. Niklaus kam die Lebensgeschichte der Heiligen Verena zur Sprache. Diese mutige Frau aus Ägypten folgte im 4. Jahrhundert der Thebäischen Legion und gelangte im Gefolge von Ursus und Viktor nach Solothurn, wo sie sich der Pflege von Aussätzigen widmete und durch ihre Heilkräfte schnell bekannt wurde. Dieser Popularität entfloh Verena durch eine heimliche Flucht; der Aare entlang kam sie nach Koblenz und dann nach Zurzach, wo sie sich wieder der Krankenpflege widmete bis zu ihrem Lebensende um 320 n. Chr. Die enge Schlucht vermag auch heute noch den Eindruck zu vermitteln, dass damalige Christen ihren Glauben oft unter grosser Bedrohung leben und bezeugen mussten.

Bistumsgeschichte
Auf der Hinfahrt erfuhren wir, warum der Bischofssitz von Basel nach Solothurn wechselte. Basel, ein altes Bistum schon zur Römerzeit, war im Mittelalter ein wichtiges geistiges Zentrum für Priester und Mönche, auch Konzilsort und Universitätsstadt ab 1460. Die Reformation vertrieb den Bischof nach Pruntrut und das Domkapitel nach Freiburg im Breisgau. Nach 1803 verlor der Bischof durch die napoleonischen Vorschriften die weltlichen Gebiete, war nicht mehr Fürstbischof und musste sich mit einem kleinen Bistum zufriedengeben. 1828 wurde durch ein Konkordat zwischen dem Papst und den wichtigsten Bistumskantonendas Bistum in der heutigen Form errichtet und Solothurn als Bischofsitz bestimmt. Der Kanton Thurgau schloss sich dem Konkordat 1829 an. Das heute zu grosse (über 1 Million Katholiken) und weit verstreute Bistum (vom Thurgau bis zum Jura) müsste eigentlich neu aufgeteilt werden, was aber am weltweit einzigartigen Bischofswahlrecht scheitert. Denn das Domkapitel mit Priestern aus allen Bistumskantonen kann den Bischof frei wählen, der Papst kann die Wahl nur noch bestätigen. Bei einer Neugliederung des Bistums würde dieses Wahlrecht hinfällig, der Papst würde dann den Bischof bestimmen. Nach dem Zvierihalt nahe bei Wangen an der Aare mussten wir die Heimfahrt zwar zur Zeit des Abendverkehrs antreten, aber wir hatten das Glück, dass wir ausser einem kleinen Stau ohne Behinderungen nach Hause kamen. Die Teilnehmenden äusserten sich alle positiv zu diesem Ausflug, sowohl was das Ziel Solothurn betraf als auch das fröhliche Zusammensein in der unsicheren Pandemiezeit. Die Verantwortlichen der Seniorenarbeit Mägi Federer, Annemarie Lehner, Gitte Hollenstein und Rita Wirz haben die Vorbereitung und Begleitung wieder sehr gut betreut. Ebenso konnten wir uns wieder auf die bewährten Chauffeusen Sonja Käfer und Manuela Hochuli verlassen, die uns sicher auf allen Strassen an unsere verschiedenen Stationen führten. Der herzliche Dank gilt allen, die teilgenommen und mitgewirkt haben. Hoffen wir, dass der nächste Ausflug auch wieder unter guten Bedingungen stattfinden kann!

Matthias Rupper
Solothurn Sen.Ausflug
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Bereitgestellt: 08.09.2021     Besuche: 39 Monat  
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