Zwischen Geduld und Vorangehen

Bild:(Bild Detlef Kissner) (Foto: Detlef Kissner)

Startschuss für den neuen Pastoralraum Oberthurgau

Nach mehr als einem Jahr Vorbereitung wird am 25. September der Pastoralraum Oberthurgau errichtet. Mit sieben Pfarreien und ca. 17’500 Katholik*innen ist er einer der grössten im Kanton. Anne Zorell Gross, Gemeindeleiterin von Romanshorn, und Tobias Zierof, Gemeindeleiter von Arbon, geben Einblicke in das Konzept dieses Verbundes und die Ideen, die dahinterstehen.
Detlef Kissner
Angesichts der schwindenden personellen Ressourcen sieht der «Pastorale Entwicklungsplan» des Bistums Basel eine engere Zusammenarbeit von Pfarreien vor. Eine solche sollen nun auch die Pfarreien von Amriswil, Arbon, Hagenwil, Horn, Sommeri, Steinebrunn und Romanshorn miteinander realisieren. Unter der Leitung von Tobias Zierof erarbeitete eine Projektgruppe, der
auch Anne Zorell Gross angehörte, ein Pastoralkonzept dafür. Grundlage war eine detaillierte Situationsanalyse im Blick auf das gesellschaftliche und kirchliche Leben in den Gemeinden. «Aus personeller Sicht bräuchten wir diese Kooperation momentan nicht unbedingt», erläutert Tobias Zierof die Ausgangslage, «aber das wird sich in naher Zukunft massiv ändern.» Wohl wissend, dass sich Kooperationen zwischen Pfarreien langsam entwickeln, wurden im Konzept nur erste kleine Schritte festge - halten. «Es braucht zunächst Zeit dafür,dass man sich gegenseitig kennenlernt und Vertrauen zueinander aufbaut», betont Anne Zorell Gross. Nach Fertigstellung des Konzepts wurde
dieses einer Begleitgruppe vorgelegt, die sich u. a. dafür einsetzte, den Bereich Familienpastoral stärker zu gewichten. Zudem hatten die Seelsorgenden aller Pfarreien Gelegenheit, miteinander über die Vorlage zu diskutieren.

Unterschiede bewahren
Das vom Bistum genehmigte Konzept sieht vor, dass das Gemeindeleben in den meisten Bereichen wie z. B. Liturgie oder Sakramentenkatechese in gewohnter Weise fortgesetzt wird. «Es soll keinen Einheitsbrei geben, Pfarreien können ihre Eigen heiten bewahren, ja, sie können sich in ihrer Unterschiedlichkeit gut ergänzen», sagt Tobias Zierof. Als ein Schwerpunkt wurde der Bereich Diakonie definiert. Es sollen in den Pfarreien Fachpersonen ernannt werden, die diese Aufgabe stärker in den Blick nehmen und sich miteinander vernetzen. In der Familienpastoral, dem zweiten Schwerpunkt, wurde ein Austausch über Pfarreigrenzen hinweg vereinbart – ein erster Schritt, aus dem sich vielleicht Kooperationen entwickeln. «Ebenso haben wir das Thema Schöpfungsverantwortung und den ‹Grünen Güggel› in das Konzept aufgenommen, an dem sich bereits drei Kirch gemeinden beteiligen», sagt Anne Zorell Gross. Das Organisationskonzept bietet wenig Überraschendes. Da es sich um einen Pastoralraum des Typs A handelt, bleiben die bisherigen Leitungsstrukturen in den Pfarreien bestehen. Zusätzlich wird Tobias Zierof Pastoralraumleiter, Joseph Devasia leitender Priester im Pastoralraum.

Gegensätzliche Erwartungen
Mit der feierlichen Errichtung des Pastoralraumes am 25. September beginnt für die sieben Pfarreien ein neues Kapitel. Das Pastoralraumteam, das sich aus den Leitungspersonen der Pfarreien zusammensetzt, wird versuchen, die im Konzept festgehaltenen Ziele schrittweise umzusetzen. «Dies weckt durchaus gegensätzliche Erwartungen», so Tobias Zierof, «Die einen
wünschen sich möglichst wenig Veränderungen. Andere warten darauf, dass die Entwicklung des Pastoralraumes schnell sichtbar wird.» Ein Balanceakt zwischen «sich in Geduld üben» und «Impulse setzen».

Für andere mitdenken
In diesem Prozess kommt den Seelsorger*innen eine gewisse Vorreiterrolle zu. Es ist vorgesehen, dass sie künftig in der Pastoralraumkonferenz enger zusammenarbeiten und ihre Weiterbildungen vermehrt gemeinsam durchführen. Gemeinsame Schulungen für Freiwillige wie Lektor*innen und Kommunionhelfer*innen sollen folgen. Ziel ist es, dass sich die Gemeinden aufeinander zubewegen, beginnen, für die anderen mitzudenken und z. B. Know-how, Ideen oder Materialien auszutauschen. Als Beispiel nennt Tobias Zierof die Gestaltung eines Adventskalenders, an dem sich bereits im letzten Jahr einige Pfarreien beteiligt haben. Die Vernetzung unter den katholischen Pfarreien dürfe allerdings nicht zur Vernachlässigung der Ökumene führen, so Anne Zorell Gross: «Diese bereichert ja gerade das Zusammenleben vor Ort.» Auch wenn im pastoralen Konzept wenig konkrete Vorgaben zu finden sind, weil sich Ideen erst im Austausch entwickeln sollen, steht ein gemeinsamer Anlass schon fest. Es ist das Pastoralraumfest, das am 26. Juni 2022 stattfinden und viele Mitglieder des neuen Pastoralraumes zusammenführen soll.

Detlef Kissner
Bereitgestellt: 09.09.2021     Besuche: 52 Monat  
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