Herbst - Entdecken wir etwas Neues unter den Blättern?

«Die Blätter fallen, auch unsere Preise.», so lautete die Überschrift einer Einkaufszentrumswerbung. Bevor die Blätter fallen, deckt sich die Natur mit einer schönen Decke. Zwischen goldenem Oktober und den dunklen Tagen des Novembers hat die Kirche zwei Gedenktage – Allerheiligen und Allerseelen.
Sie erinnern uns daran, welch einer grossen Gemeinschaft der Kirche und der Geschichte des Heils wir angehören. Sie erinnern uns an die Kirche als pilgerndes Volk Gottes, das dem himmlischen Jerusalem entgegengeht. Dieser Begriff der Kirche vom Zweiten Vatikanischen Konzil kommt erneut zur Klarheit in dem Aufruf von Papst Franziskus für die Bischofssynode 2023 zum Thema der Synodalität der Kirche. Der Synodale Weg bedeutet (vom Altgriechischen Stamm syn- odos), dass die Kirche als Gemeinde Gottes gemeinsam unterwegs ist. Im Neuen Testament findet sich die erste christliche Gemeinde mit Maria im Gebet. Es war die Voraussetzung für das Ereignis an Pfingsten – das Kommen des Heiligen Geistes. Emmaus ist ein besonderes Bild des gemeinsamen Weges – die Jünger sind unterwegs im Gespräch, und da kommt Jesus als ihr Weggefährte und führt sie zum gemeinsamen Brechen des Wortes und des Brotes.

Im Laufe der Zeit haben der Einfluss der «Konstantinischen Macht» im kirchlichen Rahmen und die anderen Macht-Übungen in den kirchlichen Ämtern und Diensten dazu beigetragen, dass die Nachfolge Christi der Getauften mit vielen Strukturen geprägt war. Klerikalismus nennt man diese Entwicklung. Der Synodale Weg ist eine Einladung, um das Bild der Nachfolge Christi als die Gemeinde Gottes wieder zu erneuern. Doch die Ämter und Dienste der Kirche brauchen wir. Aber als Getaufte haben wir alle eine Verantwortung und sind alle gesendet – wie das Vorbereitungsdokument zur Synode es ausdrückt – «Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung». Kirche als pilgerndes Volk Gottes bedeutet, unsere Identität zu entdecken als eine Gemeinde auf dem Weg mit dem Ziel des Reiches Gottes. Die Voraussetzung ist sich selber so zu akzeptieren als Suchende. Das Wort Gottes und die Führung des Heiligen Geistes können uns nur begleiten, wenn wir offen sind als Diener und Suchende der Wahrheit und der Frohen Botschaft mit offenen Ohren und einladenden Händen.

Dieser gemeinsame Weg ist eine Teilnahme in der grossen und langen Tradition der Heilsgeschichte. Den Reichtum und die Gnade der Sakramente und des Gebetes neu zu erfahren und mit Kreativität für die Generationen der Zeit spürbar zu machen – das ist unsere gemeinsame Aufgabe. Da brauchen wir den Mut für einen gemeinsamen Rückblick und Hinblick – zurückzublicken und von der Vergangenheit lernen; bereichert werden von den Schätzen der Tradition; die negativen Dimensionen der Vergangenheit so anzunehmen, nicht miteinander zu klagen, sondern gemeinsam «mea culpa» zu sagen. Dann mit der Führung des Heiligen Geistes nach vorne zu sehen, mit dem grossen Ziel zum Reich Gottes vorwärts zu pilgern – mit neuem Mut und neuer Energie. Dann erwartet uns doch ein neues Pfingstereignis heute und hier.

Joseph Devasia
Bereitgestellt: 22.10.2021     Besuche: 11 Monat  
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