Der grüne Güggel und die Biodiversität

Blumenwiese (Foto: David Jufer)

Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende zu, und es gilt zurück zu blicken auf unsere Arbeit für Natur und Umwelt – sich zu freuen über Erfolge, so manches Mal in nur kleinen Schritten, und doch gut sichtbar für ein aufmerksames Auge.
Mathilde Künzler
Im Juni dieses Jahres liessen wir die Grünflächen unserer beiden Kirchgemeinden Arbon und Roggwil von Biogärtner Markus Neubauer begutachten. Das fachmännische Auge von Markus Neubauer erkannte am Zustand unserer Grünflächen gleich bereits gut sichtbaren Veränderungen einer Umstellung von einer Rasenfläche zur Blumenwiese und konnte uns daraus wertvolle Hinweise und Anregungen für weitergehende Verbesserungen geben.

Kirchgemeinde Arbon
Die junge Säuleneiche – als Ersatz für die drei Pappeln vor der Kirche St. Martin – ist gut angewachsen und gibt zusammen mit der Unterbepflanzung mit diversen naturnahen Stauden und bodendeckenden Blütenpflanzen ein ansprechendes Bild ab.
Die Naturwiese an der Kirche St. Martin bis zur Galluskapelle hat sich in den vergangenen Jahren zu einer vielfältigen Blumenwiese entwickelt. Mit gezielter fachmännischer Mäharbeit wird versucht, diese Fläche im Weiteren sukzessive zu einer artenreichen Magerwiese umzugestalten.
Auf der Wiesenfläche nördlich der Martinskirche haben sich zahlreiche Königskerzen angesiedelt – ein wahrlich gedeckter Tisch für Bienen und Insekten aller Art.
Für die schattige Fläche entlang der Stadtmauer empfiehlt Markus Neubauer eine nicht zusammenhängende Wildhecke. Diese würde mit ihren Blüten im Frühjahr den Blick auf die graue Stadtmauer unterbrechen und mit ihren Früchten im Herbst vielen Tierarten Nahrung und Unterschlupf bieten. Ein segensreicher Landstrich für Mensch und Natur!
Die Wiesenfläche beim Pfarrhaus dient grösstenteils als Spielwiese für Kinder und Jugendliche aus unserer Pfarrei und wird demzufolge weiterhin als Rasenfläche genutzt. Im Randbereich zum Nachbargrundstück und über der Parkgarage wird an der Schaffung einer artenreichen Naturwiese gearbeitet. Unerwünschte Neophyten wie der Kirschlorbeer an der Grenze werden entfernt und durch einheimische Wildsträucher ersetzt.
Der schöne riesige Baum neben dem Pfarrhaus wird aus Sicherheitsgründen einem Baumpfleger anvertraut, der für die Entfernung des abgestorbenen Astmateriales sorgen wird.
Die Scheinzypresse an der Grenze zum Nachbargrundstück mit dem natürlichen Efeubesatz bis in die Baumspitzen bietet eine unersetzliche schützenswerte Einheit und sollte aus ökologischen Gründen wenn immer möglich erhalten bleiben. Aufgrund wiederkehrender Reklamationen vonseiten des angrenzenden Grundstückeigentümers wird zurzeit jedoch eine Fällung noch in diesem Jahr ins Auge gefasst.
Die Dachbegrünung über dem Pfarreizentrum und der angrenzende Grünstreifen sind eine Augenweide für die Menschen und bieten mit ihrem Blütenmeer über viele Wochen wertvolle Nahrung für die Insektenwelt.
Auch an den Baumscheiben zum oberen Eingang des Pfarreizentrums wurden Wildblumensamen ausgestreut, die sich grösstenteils selbst aussamen und Jahr für Jahr ein anderes Bild abgeben.
Die angestrebte Blumenwiese über der angrenzenden Garage braucht noch einige Jahre der „Ausmagerung“, um den erwünschten Blütenpflanzen Platz zu schaffen. Hier möchten wir weiter beobachten und der Natur ihre freie Gestaltungsmöglichkeit lassen.

Kirchgemeinde Roggwil
Auch in Roggwil wurde der Rasenmäher sukzessive fast nur noch in den Randzonen eingesetzt und die restlichen Grünflächen zur Naturwiese umgestaltet. Dies bedingt, dass die relativ kleinen Flächen zweimal jährlich von Hand mit der Sense gemäht werden. Es ist deshalb geplant, hier zukünftig die Anschaffung eines eigenen Balkenmähers zu prüfen.
Hinter dem Pavillon wurde eine kleine Ökofläche angelegt mit Stein- und Asthaufen, einem Bienenhotel und dazwischen einige Wildsträucher gepflanzt. Die junge Linde am Aufgang zur Kirche ist leider einem Frostschaden zum Opfer gefallen und muss entfernt werden. Eine Ersatzpflanzung ist bereits vorgesehen.
Entlang des Pavillons sollte der Blick auf den See mit einer niedrig wachsende Staudenhecke „verschönert“ und gleichzeitig zusätzlicher Lebensraum für die Natur geschaffen werden. Abklärungen dafür – auch mit dem Pächter des Grundstückes – sind im Gange.
Alles in Allem war 2021 ein ausgefülltes, ein erfülltes Jahr. Wertvolles konnte geschaffen werden – Vieles wartet noch auf seine Ausführung. Wohltuend wirkt in unseren Breitengraden der Wechsel der Jahreszeiten. Auf die turbulenten Zeiten des Wachstums folgt nun langsam die Stille des Winters. Die Natur gibt die Zeit, uns zu besinnen und dankbar zu sein für das Geschenk unserer wunderbaren Umwelt. Gleichzeitig können wir diese Zeit nutzen, um die Erfahrungen auszuwerten und unser Wissen über Zusammenhänge und Möglichkeiten zu vertiefen. Denn – auch der beste Gärtner lernt nie aus! Deshalb gehört er ja auch zu den glücklichen Menschen, denen es im Leben nie langweilig werden kann – nicht einmal im Winter.

Arbon, im November 2021
Umweltkommission Grüner Güggel/MK
Bereitgestellt: 15.11.2021     Besuche: 34 Monat  
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