Wie Gallus weiterziehen

Die Seelsorger<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-arbon.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>887</div><div class='bid' style='display:none;'>18762</div><div class='usr' style='display:none;'>5</div>

Als Henryk Walczak 2009 die Leitung der Pfarrei Arbon übernahm, kannte er die Berge der Schweiz und touristische Orte. Doch dank gutem „Goethe-Deutsch“ - diese Sprachqualität attestierte ihm der neue Stadtpräsident von Arbon, Dominik Diezi -, das er während acht Jahren schon in Deutschland angewandt hatte, verstand er die Kirchbürgerschaft vom Start weg – und sie ihn. Am 23. Juni wurde er im Jakob-Zülligpark von den Pfarreien Arbon und Steinebrunn nach der Feier von Fronleichnam verabschiedet. Diese wurde im Jakob Züllig-Park und im Pavillon würdig begangen. Als wichtiger Partner bei der Gestaltung wirkte wie seit Jahrzehnten die Stadtmusik, sie spielte zum letzten Mal unter dem Stab von Thomas Gmünder.
Heilig werden...
Als Mitzelebrant und Prediger begleitete Markus Schulze seinen Mitbruder Henryk Walczak zum Altar im Pavillon. Geschichtsbewusst sagte Schulze, die Arboner hätten doch Erfahrung im Loslassen. Selbst der heilige Gallus (Ankunft in Arbon 612), der im bereits bestehenden Pfarrhaus Gastfreundschaft und Heilung erfahren habe, sei weitergezogen. Jetzt ziehe eben Henryk Walczak nach Geroldswil. „Auch im Kanton Zürich kann man heilig werden“, so Schulze.

In Arbon wird, erstmals seit ungefähr 1500 Jahren, kein Priester mehr wohnen. Im neu gegründeten Pastoralraum muss sich einiges ändern, was von den Kirchbürgern Geduld, Glaube und Vertrauen erfordert.

Tiefenschärfe
An der Feier wurde Henryk Walczak der Dank ausgesprochen. Während dessen zehn Jahren in Arbon war Dominik Diezi als Präsident der katholischen Kirchgemeinde sein Gegenüber. Als Stadtpräsident übernahm es Diezi nun noch, den Abschied zu vollziehen. Er wies auf die eindrucksvollen Predigten und Ansprachen des Seelsorgers hin, die der Zuhörerschaft nahegingen. Der Glaube und die Eucharistiefeier waren Walczak wichtig, er habe über die oft grosse Beanspruchung an Wochenenden so wenig geklagt wie über eine Häufung von Beerdigungen.
Walczak schätzte das für ihn neue duale Schweizer Kirchensystem. Für seine Landsleute, die Polen, habe er eine gut funktionierende Gemeinschaft aufgebaut, sagte Diezi.

Ehrennadel der Stadt Arbon
Nachdem Henryk Walczak, Mitglied des Ordens der Pallotiner, die Ehrennadel der Stadt Arbon erhalten hatte, sagte er: „Ich habe die Offenheit und die Freundschaft in Arbon und Steinebrunn gespürt und geschätzt.“
Myrta Lehmann, Co-präsidentin der Kirchenvorsteherschaft, lud auch Robert Schwarzer, Präsident der Evangelischen Kirchenvorsteherschaft, ans Mikrophon; er hob den Humor und das Gemeinsame der beiden Konfessionen, die Frohe Botschaft hervor. Diakon Matthias Rupper war Sprachrohr des Seelsorgeteams.
Esther Hug vom Pfarreirat übergab dem scheidenden Pfarrer, der gerne reist, ein rot-weiss getupftes Köfferchen kosmetischen Inhalts; dies in Kenntnis dessen, was im Handgepäck eines Weltreisenden nie fehlen sollte. (Von der Zensur am Zoll werden vielleicht verdiente Pfarrer in Zukunft verschont...) Zweimal hatten Pfarreiangehörige die Heimat von Henryk, wie ihn alle nannten, kennengelernt, unvergessliche Erlebnisse. So gestaltete denn nebst italienischen und kroatischen Mitchristen auch eine polnische Gruppe den Gottesdienst und das darauf folgende Fest mit. So gab es auch eine schöne Seite bei diesem Abschied.

Hedy Züger

Bereitgestellt: 24.06.2019      
aktualisiert mit kirchenweb.ch