Eine neue Aera in der Pfarrei Arbon

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Mit dem Wegzug von Pater Henryk Walczak beginnt eine neue Aera in der Pfarreigeschichte Arbon.
Matthias Rupper
Zum ersten Mal seit langer Zeit wohnt kein Priester mehr auf dem Territorium der Pfarrei. Ins frisch renovierte Pfarrhaus zieht die Familie Zierof ein, die Eltern Simone und Tobias mit ihren drei Kindern Anna (7), Jakob (5) und Sarah (3). Das ergibt ein völlig neues Pfarreibild, das sich zwar schon seit geraumer Zeit in der Schweizer Kirche angekündigt hat – dass eben auch grössere Pfarreien wie Arbon ohne Priester am Ort auskommen müssen. Bei der Nachfrage von Personal muss ein Umdenken stattfinden. Bisher haben alle Pfarreien eigennützig darauf geschaut, dass sie einen Priester «bekommen», was die Pfarrei nebenan in der genau gleichen Lage macht, hat sie nicht gross gekümmert. Der Priestermangel wird in Zukunft noch zunehmen, wenn nicht die Kirchenleitung die längst fälligen Reformen vornimmt. Darum ist unter den Pfarreien Solidarität gefragt: Pfarreien in einem engeren Umkreis lösen miteinander die Personalprobleme. Die Pfarreien im oberen Thurgau haben schon entsprechende Gespräche geführt, wobei es in erster Linie um die Gottesdienste an den Wochenenden gegangen ist.

Nicht Defizit, sondern Gewinn
Eine Pfarrei ohne Priester am Ort ist aber keine Zweitklasspfarrei, die es eigentlich gar nicht geben sollte. Im Fall von Arbon gibt es sogar einen Zuwachs an Kompetenz: Statt von einem Priester wird das Pfarreileben von zwei kompetenten Theologen geleitet, und dass eine Frau dazugehört, ist ein besonderer Gewinn. Es wird den einen am Anfang noch etwas schwer fallen, wenn sie sehen, dass vorne am Altar eine Frau steht und alleine den Gottesdienst leitet und auch die Predigt hält. Wer sich aber nicht von Vorurteilen leiten lässt, wird bald entdecken, dass Frauen eine besondere Atmosphäre und eigene Gedanken in die doch sehr patriarchale römische Kirche bringen. Ich bitte alle Pfarreiangehörigen darum: Legen Sie allfällige Vorurteile ab und begegnen Sie dem neuen Leiterehepaar Zierof mit Offenheit und Wohlwollen!

Aufbruch und neue Erfahrungen
Ein weiterer Aspekt: Die Priester der letzten Zeit in Arbon waren meistens schon ältere Semester, jetzt wird ein noch junges Ehepaar mit Kindern einen anderen Erfahrungshorizont ins Pfarreileben einbringen. All jene Eltern, die bisher argumentiert haben, dass zölibatäre Priester den Ehe- und Familienalltag nur aus Büchern, aber nicht am eigenen Leib erlebt haben, können ihr Abseitsstehen jetzt nicht mehr damit entschuldigen. Das Ehepaar Zierof wird sicher neue Impulse in der Familienpastoral mitbringen und wohl auch eigene Formen von Kinder- und Jugendliturgien gestalten. So dürfen wir gespannt und mit Freude darauf warten, was an neuen Ideen und Formen in unsere Pfarrei getragen wird. Das ist aber nur möglich, wenn wir als Pfarreiangehörige nicht vorsichtig oder gar misstrauisch abwarten, sondern den Ball auch aufnehmen, der uns zugespielt wird.

Wortgottesfeiern
Noch ein Wort zur neuen Form der Gottesdienste auch an den Wochenenden. Die Wortgottesfeiern sind jene, die nicht von einem Priester geleitet werden, deswegen sind es aber keine Defizitgottesdienste! Sie unterscheiden sich von der «Messe» nur im Teil von der Gabenbereitung bis zum Vater unser; dieser Teil kann von den Vorstehenden frei gestaltet werden. Wir bemühen uns aber, dass wir doch nahe an der Form der Messfeier bleiben, so dass auch ältere Pfarreiangehörige sich zurechtfinden; zu dieser Form gehört auch immer die Kommunionfeier, einmal weil dies uns allen ein Bedürfnis ist und weil wir in der Kommunion die Gegenwart Jesu noch in einer besonderen Intensität erfahren. So ermutige ich alle, die bisher noch nie eine Wortgottesfeier besucht und damit noch Mühe haben: Gehen Sie hin, machen Sie sich ein Bild und seien Sie offen für neue Gestaltungsformen, die unsere Gottesdienste auch lebendiger machen!

Fairer Umgang
Weder ein Priester noch ein Gemeindeleiter, ob Mann oder Frau, kann segensreich wirken, wenn nicht die Pfarreiangehörigen zuerst auf das Gute sehen, das ihnen entgegengebracht wird. Ein erster Eindruck genügt nicht, wir müssen gemeinsam Erfahrungen sammeln, wir müssen uns beschnuppern und kennenlernen. Das gilt auch für den indischen Priester, der uns vom Bistum zugeteilt worden ist und den wir bisher noch nie gesehen haben. So machen wir uns auf einen neuen Weg, den die Pfarrei Arbon noch nie gegangen ist. Auch wenn manches noch unbekannt und fremd ist, so zeichnet sich eine christliche Gemeinde auch dadurch aus, dass sie mutig neue Wege geht und dabei auf den Geist Gottes vertraut. Fairness ist zwar nicht im christlichen Tugendkalender festgehalten, aber im Umgang in einer Pfarrei kann mit gegenseitiger Fairness vieles gut gestaltet werden. So begrüssen wir die Familie Zierof hier bei uns in der Arboner Pfarrei. Seid herzlich willkommen und fühlt Euch wohl im Pfarrhaus mit Eurer Familie! Wir freuen uns, mit Euch das Pfarreileben in Zukunft gestalten zu können.
Im Namen der Pfarrei, Matthias Rupper
Bereitgestellt: 03.08.2019     Besuche: 56 Monat  
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