Mit Vertrauen den Weg gehen

Meine Bilder<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-arbon.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>265</div><div class='bid' style='display:none;'>19123</div><div class='usr' style='display:none;'>85</div>

Das neue Jahr ist schon wieder zum Alltag geworden; ich hoffe, dass Weihnachten und die damit verbundenen Begegnungen noch nachwirken und uns Mut und Schwung für die täglichen Aufgaben geben.
Eigentlich ist es schade, dass mit dem neuen Jahr auch Christbäume und Kerzenbeleuchtung schnell einmal verschwunden sind. Man müsste verschieben: Nicht schon anfangs November mit dem ganzen Weihnachtszauber anfangen, sondern diesen auf die Adventswochen im Dezember beschränken, dafür die Weihnachtszeit gemütlich ausklingen lassen. Liturgisch hört die Weihnachtszeit erst mit Maria Lichtmess am 2. Februar auf. Dieses früher wichtige Fest heisst im liturgischen Kalender «Darstellung des Herrn» und wird vierzig Tage nach Weihnachten gefeiert. Nicht Maria, sondern Jesus steht im Mittelpunkt; es war religiöses Gebot, den Erstgeborenen im Tempel dem Herrn darzubringen und die in der jüdischen Tora vorgeschriebene Reinigungszeremonie zu erfüllen. Dabei kommt es zu der wunderbaren Begegnung des greisen Simeon und der Prophetin Hanna, die im Kind Jesus den Erlöser erkennen und lobpreisen.

Eine neue Situation
Ich werfe noch einen Blick zurück. Das vergangene Jahr hat die Pfarrei Arbon in eine bisher unbekannte Situation geführt: Kein Pfarrer und keine Priester mehr am Ort, im Pfarrhaus eine Familie mit drei Kindern, an den Wochenenden immer wieder Wortgottesdienste, von Theologen gehalten, darunter auch eine Frau – das ist viel Neuland. Ich habe mich gefreut, denn in unserer priesterlosen Zeit muss die Kirche neue Wege gehen, nicht damit sich einfach etwas verändert, sondern damit die Seelsorge weitergeführt werden kann. Es ist mir aber auch bewusst, dass diese Neuerungen nicht von allen in unserer Pfarrei begrüsst wurden; vielleicht gibt es Leute, die in anderen Pfarreien Gottesdienste besuchen, die ihnen entsprechen. Das ist eine persönliche Entscheidung, die respektiert werden muss. Für das Leben einer Pfarrei ist es problematisch, denn Pfarrei ist eine Gemeinschaft, mehr als eine politische Gemeinde, mehr als ein Verein. Ich gehöre zur Pfarrei am Ort, und ich kann mir nicht nur das aussuchen, was mir gefällt. Ich muss auch andere Meinungen akzeptieren, andere Formen mittragen und kann mich nicht stillschweigend oder auch verärgert aus der Gemeinschaft zurückziehen. Schauen wir in die Zukunft der Kirche: Sie hat keine beherrschende Stellung mehr, was gut ist, weil es der Botschaft Jesu entspricht. Und trotzdem ist sie eine Kraft in der Gesellschaft, die Menschen Geborgenheit und Vertrauen schenkt, die im Geist Gottes ihren Weg geht und die auf die Armen unserer Zeit zugeht. Dass sie auch immer wieder hinter diesen Geboten zurückbleibt, gehört auch zur Identität einer Kirche: «ecclesia semper reformanda» - immer muss sie auch zur Einkehr und zur Umkehr bereit sein. So kann sie auch den Eindruck widerlegen, der ihr oft zum Vorwurf gemacht wird: Die Kirche verteidigt nur Althergebrachtes und verschliesst sich Neuem.

Das Gute sehen
Eine neue Situation können wir verschieden angehen: Mit Sorge und Skepsis, wenn wir nur auf die Probleme schauen – oder mit Neugier, mit Freude auf das Neue und mit einer inneren Gelassenheit, dass sich das Gute schon entwickeln und zeigen wird. Menschen, die sich auf Christus beziehen, sind Optimisten aus verschiedenen Gründen. Jesus hat den Menschen Hoffnung geschenkt, die Hoffnung, dass sie von Gott bedingungslos angenommen sind. Und dann, aus dieser erfahrenen Hoffnung, werden wir den Mut und die Kraft finden, unseren Weg zu gehen, auch mit allen Fragen und Schwierigkeiten. Das ist nicht eine Frage des Naturells: Die einen sind Optimisten, die anderen Pessimisten, und das lässt sich nicht ändern. Unsere Zuversicht gründet vielmehr im Glauben, dass wir zwar vieles gestalten und beeinflussen können, dass wir aber immer auch getragen sind von einer Hoffnung, die über unsere Welt hinausweist. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat im Gefängnis in einer Silvesternacht seine christliche Hoffnung in diesen eindrücklichen Worten zusammengefasst: «Von guten Kräften wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag; Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.» Ich wünsche für uns alle, dass dieses tiefe Vertrauen uns durch alle Tage des neuen Jahres führt.

Matthias Rupper
Bereitgestellt: 17.01.2020      
aktualisiert mit kirchenweb.ch