«Wo wohnt Gott?» Zu dieser häufigsten Frage der Kinder antworten wir normalerweise:
«Gott wohnt im Himmel!» Es klingt vertraut, zumindest solange das Kind nicht weiterfragt: «Und wo ist der Himmel?»
Der Text des Evangeliums am Sonntag vor Christi Himmelfahrt hat eine Antwort auf diese Frage: «Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten, mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen» (Joh 14,23). Gott nimmt bei uns Wohnung. Das ist gleichzeitig eine Zusage und eine Zumutung: Gott wohnt bei denen, die ihn lieben. Durch sie ist es ihm möglich, konkret mitten in der Welt zu sein.
Im Johannesevangelium lesen wir an einer anderen Stelle: «Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen»-(Joh 14,2), Jesus bereitet also für uns eine Wohnung beim Vater vor. Und wir bekommen sogar die Zusage, dass er der Weg zum Vater ist: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater ausser durch mich.» (Joh 14,6) Der Glaube an Jesus und eine Liebesbeziehung mit ihm sind die Voraussetzungen. In diesem Zusammenhang wird die Botschaft des Johannesevangeliums klar: Gott bleibt ganz konkret unter uns. Gott ist dort zu finden, wo man liebt. Der Ort, wo Gott wohnt, ist der Mensch, vor allem jener, der von der Liebe zu Jesus angesteckt ist.
Das Fest Christi Himmelfahrt lädt uns ein, die Freude und den Frieden dieser Liebesbeziehung mit dem Auferstandenen in unserem alltäglichen Leben zu gestalten, damit die Welt den Segen des offenen Himmels erfahren kann. Dadurch werden wir zu Boten und Botinnen der Botschaft des auferstandenen Herrn, der versprochen hat: «Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.»
«Er führte sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.» (Lk 24, 50) Im Lukasevangelium ist dies die letzte irdische Handlung des auferstandenen Herrn, bevor er in die bleibende Gemeinschaft mit Gott zurückkehrt. Christi Himmelfahrt war für die Jünger und Jüngerinnen nicht nur eine Zusage, sondern auch ein Auftrag: «Ihr seid meine Zeugen!» Dieser Auftrag Jesu gilt uns allen. Werden wir deshalb immer mehr zu Liebenden, dann müssen wir Gott nicht irgendwo im Himmel suchen. Dann ist er mitten unter uns. Dann sind wir Zeugen und Zeuginnen des offenen Himmels.