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„Me cha nu mitenand läbe“

„Me cha nu mitenand läbe“
Bildquelle: kath-arbon.ch
Das Winterhalbjahr mit den Seniorennachmittagen der Pfarrei ist eröffnet.

Diakon Matthias Rupper lud zu einem Treffen unter dem Thema Haiti ein, dem mittelamerikanischen Staat in der Nähe von Kuba. Wissen dort alle in der 10 Millionen starken Einwohnerschaft, dass sie miteinander und füreinander leben und einstehen müssten? Leider gibt es grosse Gruppen, die sich wie im Bürgerkrieg aufführen: Sie betreiben Bandenkriege, Korruption, sie bedrohen und rauben andere aus, unterminieren zunehmend den Staat, die christlichen Religionen und jeglichen wirtschaftlichen Fortschritt.

35 Jahre in Haiti

In diesem Land, das sie aus ihrer Sicht und Erfahrung als wunderbar bezeichnet, setzte sich die St. Gallerin Cäcilia Haselbach, Pflegefachfrau, 35 Jahre lang für die Gesundheitspflege ein. Da fernab der Hauptstadt fast keine Ärzte praktizierten, war sie  weitherum die medizinisch am besten ausgebildete Helferin und entsprechend vielgefragt. Sie baute eine Pflegestation auf, ein Pater aus Immensee sorgte neben den pastoralen Aufgaben für einen Ausbau der Verkehrswege.

Die gefährliche Lage im Landesinnern verunmögliche es ihr, nochmals nach Haiti zurückzukehren, sagte die Referentin im Pfarreisaal. Sie setzt sich jetzt von der Schweiz aus für das Land ein. Den Seniorinnen und Senioren der Pfarrei erschien es im Gegenzug sehr mutig, was die Schweizerin in so langer Zeit zu leisten imstande war, und tragisch, wegen Kriminellen die guten Dienste nicht ins sichere Ziel gebracht zu haben.

Christentum und afrikanische Kulte

Nur wenige Haitianer sind reich, die meisten leben bescheiden vom wenigen, was sie anpflanzen. Sie stammen zum grossen Teil von den Sklaven ab, die vor Jahrhunderten ab Afrika zwangsverfrachtet wurden. Viele sind Christen, andere pflegen uralte, teils gefährliche religiöse Kulte wie Woodoo. Einfache kleine Häuschen nehmen oft grosse Familien auf. Diese leben von Reis, Mais, Maniok und Bohnen, die an steilen Abhängen angebaut werden. „Auch die Abholzung der Wälder ist ein Riesenthema“, bestätigte die Referentin. Sie war in ihrem Beruf immer stundenlang über hohe Hügel unterwegs.

Die Stadt Arbon kultiviert zwei imposante Kastanienalleen. Das geschätzte Team bei Seniorenanlässen liess die Gäste an mit Mispeln und wilden Rosskastanien dekorierte Tische sitzen. Daraufhin servierte es aber Süsses, das im Süden als Maroni gewachsen, essbar und im Norden höchst beliebt ist. Ergo erlebte die Gesellschaft ganz Gegensätzliches: Zum Vortrag über Haiti kam sie mit Vorwissen und Vorbehalten. Beim Erscheinen der Crew mit Vermicelles und Kaffee waren die Gefühle wesentlich wärmer.

 

Hedy Züger 
Beitrag erstellt: 05. November 2026