Seniorenferien im Wallis
Die vorgesehene Route über den Grimselpass konnte wegen des immer noch vielen Schnees nicht befahren werden. So gelangten wir über den Genfersee durchs Rhonetal ins obere Wallis an unseren Ferienort – zum Hotel Alex in Naters.
Brig, gleich auf der anderen Seite des Rottens (Rhone im Walliserdeutsch), war unser erstes Ziel am Montag bei immer noch kühlem Wetter. Im Stockalperpalast erfuhren wir, wie die Familie zum Namen und zu Macht kam: Auf den Alpen musste gerodet werden, die drei Stöcke im Familienwappen erinnern an diesen Ursprung. Der machtbewusste Ahnherr Kaspar Stockalper musste am Schluss seine Pläne begraben, das Geschlecht gibt es aber heute noch. Am Nachmittag feierten wir in der Sebastianskapelle den Gottesdienst; der Heilige Sebastian wurde im 4. Jahrhundert als römischer Legionär durch Pfeilschützen umgebracht.
Wo muss man in einer Woche Wallis unbedingt hin – nach Zermatt! Gleich beim Gang durch die Hauptstrasse fiel uns auf, wie viel auch heute noch gebaut wird. Der anschliessende AHV-Weg erwies sich dann für eine Gruppe als ziemlich abenteuerlich, zum Glück kamen alle heil zurück. Und bei zunehmend schönen Wetter zeigte sich «ds Horu», das Matterhorn, in majestätischer und weisser Pracht. Am Mittwoch folgte ein richtiger Alptag: mit der Bahn hinauf auf die Riederalp, eine Gruppe noch weiter hinauf, um den schrumpfenden Aletschgletscher zu sehen. Die auf ähnlicher Höhe liegende Bettmeralp zeigte sich in schönstem Frühlingskleid, mit Enzianen in kräftigem Blau. Am Donnerstag führte uns Alessandro Burri in seinem wunderbar urchigen Walliserdiitsch humorvoll durch Leukerbad und erklärte uns die wechselvolle Geschichte des Bäderortes; mit 51 Grad kommt das Wasser aus der heissesten Quelle. Auf dem Heimweg machten wir halt in Raron und sangen und beteten in der beeindruckenden Felsenkirche St. Michael; zur Grabstätte von Rainer Maria Rilke auf dem Burghügel reichte die Zeit nicht mehr. Am letzten Tag bummelten wir durch den Wochenmarkt in Sitten und entdeckten den Charme dieser Stadt, mit der Kathedrale und den Burgen. Noch eine letzte Sehenswürdigkeit erwartete uns auf dem Rückweg: der unterirdische Lac Souterrain in St Léonard – beeindruckend das klare Wasser und die Gewölbe, gewachsen durch lange Zeiten.
Auf den Fahrten erfuhren wir vieles über den Kanton Wallis und seine Geschichte: über den Heiligen Maritius und die Thebäische Legende, die im 4. Jahrhundert den Märtyrertod erlitten, über die verschiedenen Katastrophen im Wallis, von Mattmark bis Blatten, über die Walserzüge im Mittelalter, über die Suonen, die Wasserleitungen an steilen Felshängen, über den Heiligen Theodul, den ersten Bischof und Kantonsheiligen, über die Streitigkeiten zwischen dem Bischof und den Landgemeinden und den späten Eintritt des Kantons in die Eidgenossenschaft (1815).
Wie üblich wurde an den Abenden im Hotel intensiv gejasst und fröhlich geplaudert. Wir waren gut aufgehoben, mit der Bedienung und dem Essen waren wir sehr zufrieden, die ganze Crew des Hotels verabschiedete uns beim Wegfahren winkend am Strassenrand. Auch auf der Heimreise war der Grimsel noch nicht befahrbar, also ging es auf der gleichen Strecke zurück, ab Bern mit einem Abstecher über das Emmental und das Entlebuch. So kamen wir am frühen Samstagabend mit vielen eindrücklichen Erlebnissen in Arbon an. Sonja Käfer hat uns sicher durch die Walliser Täler und über die Autobahnen gefahren; mit Werner Beer hat sie die Reise sorgfältig vorbereitet. Und Werner Beer hat wieder fleissig gefilmt, wir freuen uns schon jetzt auf den Film über die Seniorenferien 2026 in Naters.
