Advent – hoffnungsvolles Aufbrechen
Was schwierig sein kann, kennen wir aus Erfahrung: Viele Menschen sind im Advent gehetzt und gestresst; dem Konsumdruck sind wir alle durch Medien und Warenangebot ausgesetzt; Krisen in Beziehungen werden in diesen Tagen stärker spürbar; wir nehmen auch wahr, wo etwas unerledigt geblieben ist oder wo wir etwas versäumt haben – das alles gehört irgendwie auch zum Advent, nicht für alle im gleichen Mass. Heilsam sind diese Tage dann, wenn wir auch spüren, was uns trägt im Leben, welche Menschen uns gut gesinnt sind, uns begleiten und stärken und dass wir in unserer Familie geborgen sind, auch mit Lücken und Mängeln. Und schön ist es auch, dass viele Menschen im Advent Zeiten und Orte von Ruhe und Stille suchen und dabei erleben, wie gut ihnen das tut.
Zeichen und Gefühle
Zum Advent gehören äussere Zeichen, die etwas Inneres ausdrücken wollen: der Adventskranz, die vielen Lichter auf den Strassen, an Häusern, in Gärten, verschiedene Adventskalender und vieles mehr. Adventskalender scheinen eher etwas für Kinder zu sein – jeden Tag ein Türchen öffnen, das ist spannend! Heute gibt es auch Adventskalender für Erwachsene, mit guten Gedanken und sinnvollen Texten, so wie diese Worte: «Komm, Herr, werde wieder Mensch in unserer Welt, die an so vielen Stellen voller Dunkelheit ist. Komm, Herr, weil wir es alleine nicht schaffen, Not und Elend zu besiegen. Komm, Herr, wir warten auf dein Licht, das nicht verlöschen kann, wir brauchen die Hoffnung, die Zukunft verheisst.» So kommt zum Ausdruck, dass wir im Advent unseren Blick weiten können und erkennen, wieviel Unwichtiges und welche Äusserlichkeiten uns oft beeinflussen. Und es wird uns auch bewusst: Es geht nicht nur um mich, um meine private Welt, um meine Gefühle. Denn das kann eine Flucht in eine private Wohlfühloase sein: Wenigstens im Advent und an Weihnachten will ich mich nicht mit den Problemen der Welt beschäftigen und mich durch diese schreckliche Welt beunruhigen lassen. So verständlich das ist, der Advent ist nicht da, um uns von der Welt abzuschotten. Die Mitmenschen, die Welt mit allen Fragen und Problemen, das ist auch meine Welt! Und doch geht der Blick in die andere Richtung: Der Advent ist eine Hoffnungszeit, will uns zuversichtlich machen und ermutigen.
Adventliche Hoffnung
In den biblischen Lesungen im Advent wird das aufgenommen. Der Prophet Jesaja spricht von dieser grossen Vision: Am Schluss werden alle Völker den Frieden und die Gerechtigkeit suchen und aufhören mit Streit und Hass und Krieg, sie werden ihre Schwerter einschmelzen – diese Worte sind auch 2500 Jahre später noch ein geflügeltes Wort: «Schwerter zu Pflugscharen schmieden». Das weist auf die adventliche Vision einer neuen Welt hin: Nicht mehr Ausbeutung und Unterdrückung und Macht des Stärkeren, sondern Versöhnung und Frieden unter feindlichen Völkern und gerechte Verteilung der Güter dieser Erde. Schnell sind wir versucht zu sagen: Das ist zwar schön gedacht, aber eine Utopie, nicht erreichbar! Der Advent sagt uns das Gegenteil: Keine Vision, sondern eine grosse Hoffnung aller Menschen, die daran glauben und sich dafür einsetzen.
Wachsam sein
Wer glaubt, dass diese Vision nicht nur eine schöne Idee auf dem Papier bleibt, ist nicht naiv oder blauäugig und muss nicht abheben von dieser Welt, nein, in der Haltung, die uns die Botschaft der Bibel nahelegt, sollen wir die Hoffnung bewahren, in der adventlichen Haltung: «Seid wachsam!» Wachsam einerseits für die Gefahren dieser Welt, wachsam aber ebenso für die Hoffnungen der Menschen. Der letzte Papst Franziskus hat das wiederholt angesprochen: Dass viele Menschen, auch Christen, gleichgültig geworden sind gegenüber der Not in der Welt, unempfindlich für das Leid vieler Menschen. Gegen diese resignative Gleichgültigkeit sollen Christen aufstehen – und die Hoffnung auf Gottes gerechte Welt verkünden, wunderbar in diesem Gebet ausgedrückt: «Barmherziger Gott, in meinem Leben hat Hoffnung manchmal keinen Platz. Weil die Gesetze der Welt stärker sind. Doch du entfachst die Kraft der Hoffnung immer wieder neu. Weil ich erleben darf: Deine Versprechen sind keine billige Vertröstung, sondern sind schon im Hier und Jetzt wirksam, sie können mein Leben verändern – dafür danke ich dir». Ich wünsche uns eine hoffnungsvolle Adventszeit!
