Vor ein paar Monaten durfte ich einen Tag ein «Praktikum» bei der Palliativ Spitex in Arbon machen.
Es hat sich ergeben, da wir ja seit einiger Zeit in engerer Zusammenarbeit im Bereich Palliativ Care stehen. Zum Palliativ Care Konzept gehört der Bereich Spiritualität und Seelsorge. Immer wieder und immer öfter werden wir in der Pfarrei angefragt, Menschen zu besuchen und zu begleiten. Da war es mir persönlich ein Anliegen, einmal den Arbeitsalltag der Spitex kennenzulernen. Ich war sehr dankbar, dass es unkompliziert möglich war und ich «inkognito» mitlaufen konnte.
Was mich als Seelsorgerin wirklich berührt und erschrocken hat, war die Einsamkeit, die ich in einigen Wohnungen erlebt habe. Zum Beispiel war da eine Frau, die ohne Familie hier in Arbon wohnt, deren Alltag darin besteht, zwischen Sofa und Bett den Tag zu verbringen und auf den Tod zu warten. Oder die Frau, deren Mann plötzlich verstarb und sie nun alleine in ihrer Wohnung lebt und die Traurigkeit sie täglich überkommt.
Immer mehr solcher Fälle von Einsamkeit im Alter, in Krankheit, in den Heimen, Fremder, Zugezogener, Witwen/Witwer, Alleinerziehender, Mütter mit kleinen Kindern usw. begegnen mir. Damit immer verbunden der Gedanke, dass es nicht so sein müsste. Im christlichen Gedanken sind wir verantwortlich füreinander und sollten nicht zuschauen und wegschauen, wenn wir «Leid» sehen. Denken wir nur an die Werke der Barmherzigkeit, die Jesus uns in die DNA legt.
Was tun?
Als Kirche in Arbon sind wir fast 5000 Gemeindemitglieder, wir sind eine grosse Gemeinschaft, die im kleinen und grossen, lose und feste Gruppen anbietet, die immer offen sind für neue Menschen – gehen wir doch aufmerksam auf andere zu, sprechen sie ein- oder mehrfach an. Manche Einladung muss wiederholt werden, um angenommen zu werden. Vernetzen wir Menschen miteinander, suchen wir gemeinsame Bekannte, um den ersten Schritt einfacher zu machen. Gehen wir offen auf Neue zu, sei es im Gottesdienst, bei einer Veranstaltung oder im Quartier – und laden wir ein.
Mit unserem bald neu renovierten Pfarreizentrum haben wir als Gemeinschaft Räume zur Verfügung, um Initiativen Platz zu geben. Vielleicht liegt Ihnen eine Idee auf dem Herzen, ein regelmässiges Essen für Randständige, ein Kaffee nach dem Gottesdienst, ein Sprachkurs für Fremdsprachen, ein Treffen für Mamis, die allein zu Hause sind, ein Café für Trauernde. Wenn Sie aktiv werden möchten, kommen Sie doch bitte auf uns zu! Dafür renovieren wir das Haus, damit die katholische Gemeinschaft ein zu Hause für die Menschen in Arbon werden kann.
Und wenn Sie selbst einsam sind, alleine, wenn Sie nicht wissen, mit wem Sie reden sollen oder wie Sie neue Menschen kennen lernen könnten, haben Sie Mut, greifen Sie zum Telefon oder schreiben Sie uns eine Nachricht. Sie sind nicht alleine, auch wenn es sich so anfühlt.