Bald feiern wir als Pfarrei einen weiteren Höhepunkt im Kirchenjahr.
Am 11. November feiern wir unser Patrozinium. Patrozinium ist wieder so ein kirchliches Wort, mit dem die wenigsten unserer Zeitgenossen noch etwas anfangen können.
Wobei die Jugend und alle, die mit den Harry Potter Büchern und Filmen aufgewachsen sind, würden bei dem Wort an den wichtigen Zauberspruch denken, der nicht nur einmal eine lebensbedrohliche Situation abwendet: «Expecto Patronum». Da kaum noch ein Kind Latein in der Schule lernt, tönt es schon geheimnisvoll, wobei der Zauberspruch nichts anderes bedeutet als: «Ich erwarte meinen Schutzherrn». Die wichtigste Zutat zu dem Zauber ist das Eintauchen in eine positive Erinnerung im Angesicht des Bösen.
Der Schutzherr unserer Kirche ist der Heilige Martin, einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen der alten und neuen Kirche, und sicher neben dem Heiligen Nikolaus auf der Bekanntheitsskala an oberer
Stelle. Warum die Menschen damals den Heiligen Martin als Schutzpatron gewählt haben, wäre interessant zu erfahren. Bereits im achten Jahrhundert wird die Kirche in Arbon mit St. Martin in Zusammenhang gebracht.
In den ersten Jahrhunderten des Christentums war es Brauch, am Grab eines Märtyrers oder Heiligen, um Schutz und Segen zu flehen, oder man feierte dann an Gräbern oder Grabstätten (Katakomben) Gottesdienst oder versammelte sich dort zum Gebet. Später errichtete man über den Gräbern von Heiligen Kirchen oder begrub die Heiligen in den Kirchen. Oder man brachte eine Reliquie (lat. Überbleibsel einer verehrten Person) an einen Ort, um die Kirche nach der heiligen Person zu benennen und unter ihr Patronat zu stellen. Seit dem zweiten Konzil von Nicäa galt die Regel, dass in jedem Altar Reliquien beigesetzt werden müssen. Auch in unserem Altar befindet sich in der Altarmensa (Tischplatte) eine eingesetzte Reliquie.
Im Altarraum, im Reliquienhäuschen, das sich auf der rechten Seite befindet, bewahren wir unsere Martins-Reliquie auf, die wir am Patrozinium auf den Altar stellen werden und mit der wir, wie mit unserer Kreuzreliquie (Wetterkreuz) gesegnet werden. So mancher mag nun wieder an die Magie aus den Harry Potter Büchern denken, doch ist Segen keine Zauberei und Reliquien keine magischen Gegenstände. Es ist die Bitte um Vertrauen um den Schutz und den Segen Gottes. Es ist ein in «Berührung kommen» mit der ewigen Kirche, die auf Heilige Männer und Frauen aufgebaut ist, die Zeugnis gegeben haben durch ihr Leben und ihr Sterben.
Wenn wir nun am zweiten Novemberwochenende unser Patrozinium feiern, dann halten wir die Geschichte des Heiligen Martin am Leben, dann vertrauen wir aber auch das Geschick unserer Pfarrei durch seine
Fürsprache Gottes Segen an. Nehmen doch auch Sie teil an diesem wichtigen Fest! Sie fehlen, wenn Sie nicht da sind!