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PEP TO GO - Teil 5

11. August 2026
PEP TO GO - Teil 5
Heute nehme ich Sie wieder mit in den «Pastoralen-Entwicklungs-Plan to go», den Bischof Felix vor geraumer Zeit zusammen mit dem Bischofsrat veröffentlicht hat.

Im Juni stellte ich Nr. 3 und 4 der Points of no return vor, die für den nötigen Kulturwandel im Bistum entscheidend sind. Jetzt geht es mit dem letzten weiter.

5. Wertschätzung der «sperrigen Vielfalt»

Vielleicht ist es hier sinnvoll, den ursprünglichen Begriff des Wortes «katholisch» wieder einmal ins Gedächtnis zu rufen. Das ursprüngliche, griechische Wort καθολικός, aus dem sich unser «katholisch» herleitet, meint zunächst nichts anderes als allumfassend. Damit erinnert es daran, dass sich die Kirche von Anfang an ihrer Vielfalt bewusst ist und verschiedene Strömungen, Kulturen und Traditionen unter dem einen, «katholischen» Dach versammelt. Ist Ihnen z.B. bewusst, dass es nicht nur «unsere» katholische (korrekter röm.-kath.) Kirche gibt, sondern dass sich so gut wie alle Ost- und Westkirchen in ihren unterschiedlichen Riten mit dem Begriff «katholisch» bezeichnen. Schon immer war die Ausprägung der katholischen (eben nicht röm.-kath.!) Kirche in verschiedenen Ländern und Zeiten vielfältig.

Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten zeigt sich dies heutzutage aus verschiedenen Gründen viel deutlicher. Durch Globalisierung und Migration leben im Bistum Basel Menschen aus den verschiedensten Ländern. Sie bringen ihre eigenen Traditionen des christlichen Glaubens mit sich und können die Pfarreien vor Ort dadurch bereichern. Vielfalt zeigt sich aber auch in den ganz unterschiedlichen Arten, wie katholische Christinnen und Christen miteinander feiern. So gibt es bei uns in Arbon inzwischen neben Gottesdiensten im röm.-kath. Ritus auch einige Liturgien im byzantinischen Ritus (griech.-kath.). Weiter machen die praktizierten Gebetsformen, vom Rosenkranz über die eucharistische Anbetung, von Taizé-Gebeten zu Worship-Anlässen, sowie schliesslich die Bandbreite der theologischen Richtungen die Vielfalt innerhalb unserer katholischen Kirche auch bei uns vor Ort immer wieder deutlich. All das mag manchmal herausfordernd sein.

Das Bistum erinnert uns in diesem Punkt jedoch daran, dass gerade diese «sperrige Vielfalt», als solche wertvoll ist. Denn all das macht uns bewusst, wie vielfältig, lebendig und auch gegenseitig bereichernd die katholische Kirche ist, weltweit aber auch konkret vor Ort. Um diesen Schatz zu entdecken, braucht es jedoch nicht nur Offenheit und Verständnis füreinander, sondern auch Räume für Begegnung, Dialog und ehrliches Interesse aneinander. Diese fünf Eckpunkte der «points of no return» sollen als Grundlage und vor allem als Bewusstsein bildende Gedanken den Weg in die Zukunft weisen:

• «Es geht nicht weiter, wie bisher»
• « Abschied nehmen von Kleinräumigkeit
eröffnet Räume für Nähe»
• «Wir entwickeln Kirche mit den Menschen»
• «Synodalität gehört zur DNA der Kirche»
• «Wertschätzung der ‹sperrigen Vielfalt›»

Ein Kulturwandel in der Kirche ist nötig. Bischof Felix schreibt: «All diese Überlegungen zu einem Kulturwandel können dazu beitragen, dass die Menschen einer solchen Kirche mittelfristig wieder mehr vertrauen, weil sie sich gesehen und verstanden wissen. Dieser Wandlungsprozess wird uns nicht zu vergangener Grösse führen. Aber ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass das Christentum oft dann, wenn es nicht mehr weiterging, wie bis dahin und anders weitermachen musste, am meisten weiterging, am meisten Kraft entfaltet hat.

So soll es bei uns weitergehen. Damit haben wir angefangen. Kulturwandel ist auch ein Wagnis. Aber es verspricht abenteuerlich zu werden und wird gelingen, wird uns gelingen, wenn wir uns darauf einlassen, miteinander in diesen Wandlungsprozess zu gehen, wirklich voneinander zu lernen, und wenn wir schon damit anfangen, einander Vertrauen zu schenken – das Vertrauen, dass wir es gut meinen, jede und jeder.» (PEP to go, S. 9).

Tobias Zierof