An vielen Orten – so auch bei uns, wird intensiv um den Heiligen Geist gebetet, dass er «wieder» kommt, ein neues Pfingsten geschieht, der Geist Gottes kräftig durch die Herzen der Menschen und durch die Kirche fährt.
Das wäre doch was! Das hätten wir bitter nötig, oder nicht? Erneuerung und Belebung durch den Heiligen Geist. Da kann man gar nicht dagegen sein. Die Frage ist, wie man diesen Begriff definiert: Erneuerung. So mancher bekommt Angst bei diesem Wort, anderen geht es nicht schnell genug.
Manchmal kommt es mir vor als wird der Heilige Geist von allen Seiten, von den Reformern und Bewahrern, von den Traditionellen, den Feministinnen, den Konservativen und Progressiven angefleht in ihre Richtung zu wehen. Klar, dass da nichts vorwärts gehen kann. Man arbeitet heute eher gegeneinander als miteinander, spricht dem anderen den Heiligen Geist oder sogar den Glauben ab. Nicht nur zwischen den Konfessionen, sondern auch innerhalb unserer Kirche. Das ist traurig. Mehr noch, das ist tragisch und sicher nicht geistgewollt. Von Anfang an war der Geist etwas Verbindendes. Die Apostel sprachen doch tatsächlich, durch den Geist bewegt, so, dass alle Menschen aller Sprachen sie verstehen konnten. Die Gaben des Geistes haben Menschen zusammengebracht. Im Glauben an Christus war alles aufgehoben, kein Unterschied in Religion oder Geschlecht, Stand oder Rasse, und man tat alles um ein «Herz und eine Seele» zu sein. Natürlich führte das von Anfang an zu Spannungen und Streit, wer aufmerksam die Apostelgeschichte liest, der findet dort reichlich Zeugnisse.
Heute müssen wir lernen wieder neu zuzuhören, aufeinander hören, das gemeinsame Suchen und Versuchen einen Weg miteinander zu gehen. Wir müssen einander erzählen, was uns bewegt, was der Geist in uns spricht und wirkt. Das gemeinsame Ringen, um die Antwort zu finden, was Kirche ist und sein soll, wird Kraft und Zeit brauchen. Und natürlich Gottes Geist. Der synodale Weg in Rom will genau das erreichen, wirklich wieder aufeinander zu hören und den Geist entdecken, der allem zu Grunde liegt. Auch in Arbon müssen wir uns neu und immer wieder Gedanken machen, was Kirche, was unsere Pfarrei sein will. Seien Sie aufmerksam, ob sich da nicht eine Zukunftsvision einschleicht, eine Hoffnung, ein Traum, eine Sehnsucht. Behalten Sie diese nicht für sich, sondern sprechen Sie mit anderen darüber und hören genau hin, was der andere erzählt. Komm herab o Heiliger Geist!