In Steinebrunn bei der Beerdigung gibt es den Brauch, Weizenkörner in die Gräber der Verstorbenen zu legen – eingebettet in die Riten der Besprengung mit Weihwasser, dem Einbringen der Erde und dem Segen mit dem Kreuz.
Dies erinnert uns an die Worte Jesu im Evangelium: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, kann es keine Frucht bringen. Es ist auch ein Hinweis, dass der Mensch untrennbar mit dieser Erde verbunden ist und dass sein materieller Körper einst mit der Erde und der Umwelt eins wird vor seiner Erfahrung der Fruchtbarkeit des Lebens in der Ewigkeit.
Die Zeit von Anfang September bis Anfang Oktober gilt als Zeit der Schöpfung. Das Erntedankfest und der Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, dem Heiligen des Sonnengesanges, fallen in diesen Zeitraum. Sie erinnern uns daran, wie wichtig Dankbarkeit für die Erde und ihre Gaben ist, sowie an unsere Verantwortung, die Erde zu pflegen, zu bewahren und ihre Fruchtbarkeit zu schützen.
Unter diesem Gesichtspunkt der Fruchtbarkeit lassen sich auch die Evangelientexte betrachten. Im Gleichnis von den beiden Söhnen (Mt 21,28–32) verspricht der erste Sohn, den Willen des Vaters zu erfüllen, tut es dann aber nicht; der zweite Sohn sagt zunächst «Nein», bereut es jedoch später und handelt nach dem Willen des Vaters. Fruchtbarkeit zeigt sich nicht in blossen Worten, sondern darin, den Willen des Vaters durch Taten zu verwirklichen.
Im Alten Testament wird Israel mit dem Weinberg des Herrn verglichen; bei Jesaja (Jes 5,1–7) erscheint Israel als ein Weinberg, der keine Frucht trägt. Das Evangelium (Mt 21,33–43) berichtet dann davon, wie der Weinberg den bösen Knechten entzogen und jenen übergeben wird, die tatsächlich Frucht bringen.
Als das neue Israel trägt die Kirche die Verantwortung, Frucht zu bringen. Wir Christen und alle Menschen, die Gott als Schöpfer ehren, sind dazu aufgerufen, Verwalter der Schöpfung zu sein – Diener der Schöpfung zu sein, die Lebendigkeit und die schöpferische Kraft zu pflegen und zu fördern. Mit anderen Worten: Wir sind berufen, fruchtbar zu sein und die Fruchtbarkeit der Schöpfung voller Dankbarkeit zu hegen und zu bewahren.