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Richten hat tausend Varianten

Richten hat tausend Varianten
Bildquelle: kath-arbon.ch
Referent Ralph Zanoni, früher Kirchenpräsident in dieser Pfarrei, pensionierter Gerichtspräsident, stiess am Seniorennachmittag auf eine grosse Zuhörerschaft.

Das war weiter nicht erstaunlich, Diakon Matthias Rupper sagte es: «Wir sind voller Freude über sein Kommen.» Zanoni ist und bleibt der Kirche treu, das erklärte er unmissverständlich selber. Der Glaube habe ihn durch das Berufsleben begleitet. Zanoni: «Ich bin seit Jahrzehnten überzeugt, dass der katholische Glaube richtig ist.» Auch darin blieb er standhaft: 12 Jahre Gerichtsschreiber, 23 Jahre Richter bzw. Präsident am Arboner Bezirksgericht. Der Natur ist er ebenfalls stark verbunden – sein Verkehrsmittel ist das Velo.

Schweigepflicht eingehalten
In den Vortrag liess Zanoni keinen einzigen Fall aus seiner grossen richterlichen Erfahrung einfliessen. Er umschrieb seine verantwortungsvolle Tätigkeit dennoch so eindrücklich, dass die Zuhörerschaft von allfällig falschen Vorstellungen abkam. Die Leute sollten sich vielleicht bewusst werden, dass sie selber jederzeit richten. Beispiele: Kindererziehung, Crans-Montana.

Was muss der Richter wissen?
Es gab in der langen Zeit tausende Paare, tausende Scheidungen. Bei den langen Vorgesprächen, jeweils zuerst mit der Frau, dann mit dem Mann, sind zwei richtende Personen anwesend. Mit Vorteil sei man vorsichtig mit seiner Meinung. Vor allem bei Strafverfahren könne ein Protokoll 100 Seiten und mehr ergeben. Wie der Richter entscheide, sollte er immer gut begründen, so Ralph Zanoni.

Und was verlangt das Gesetz?
Kerntätigkeit am Gericht sei das Auslegen der Gesetze, das Leben selber sei vielfältig, mit tausend Varianten. Mehrmals betonte der Ex-Präsident die grosse Bedeutung des Gesprächs. «Mit den Parteien reden, ist zentral.» Er habe in viele Lebensverhältnisse hinein gesehen. In jedem Fall, ob leichter, ob schwerer gelte es, sich abzugrenzen, Distanz zu halten. Damit habe er sich gut zurechtgefunden. Ebenfalls mit dem Amtsgeheimnis; es zu wahren sei eine klare Vorgabe. Besonders schwierig ist für das Gericht, wenn Kinder betroffen sind oder es um Missbrauch geht. Bei Familienangelegenheiten sollten Lösungen gefunden werden, hinter denen beide Parteien stehen können. «Ich habe bis zur letzten Minute gerne in meinem Beruf gearbeitet, kein Tag war wie der andere», schloss der Referent.

Den Vortrag beendete er mit einem Wettbewerb über das Verhalten von Josef gegenüber Maria (nicht Rückzieher machen, erst das Gespräch aufnehmen). Dann wurden die Besucher von der Crew im Martinssaal fein bewirtet. Diakon Matthias Rupper übernahm es, einen Dank an alle Mitwirkenden zu richten.

Hedy Züger

Beitrag erstellt: 20. Februar 2026