Antonius hat geholfen…
«Da musst du Antonius um Hilfe bitten; aber unter 20 Franken fängt er nicht an.» Das war an meiner ersten Pfarrstelle der gut gemeinte Rat, als ich meinen Büroschlüssel verloren hatte. Wie ich hoffen unzählige Menschen auf seine Hilfe in ähnlichen Situationen und lassen sich das auch etwas kosten. Vor allem im deutschsprachigen Raum ist er der Heilige, wenn es um verloren gegangene Gegenstände geht. Und offenbar ist er vertrauenswürdig…
Wer war Antonius eigentlich?
Antonius (eigentlich Ferdinand Martim de Bulhõse e Taveira) wurde als Sohn einer Adelsfamilie um 1196 in Lissabon (Portugal) geboren. 1220 trat er dem Franziskanerorden unter dem neuen Namen Antonius bei. Er wurde bekannt als begabter Prediger, der nicht nur Menschen, sondern auch Fische zum Zuhören bewegen konnte. 1224 berief ihn Franz von Assisi an die Universität in Bologna für die Ausbildung der Minderbrüder. 1227 bis 1230 war er als Bussprediger in Oberitalien so erfolgreich, dass er bis zu 30’000 Zuhörer:innen gehabt haben soll und mit seinen Worten Schuldenerlasse, Versöhnungen und viel mehr Gutes bewirkte. 1231 starb er bei den Klarissen im damaligen Kloster Santa Maria dell’Arcella. Bereits 11 Monate später wurde er von Gregor IX. heiliggesprochen und 1946 schliesslich zum Kirchenlehrer erhoben.
Wie Antonius zum Patron für Verlorenes wurde
Die Legende erzählt, ein junger Mönch wollte nicht weiter Mönch sein und verliess heimlich das Kloster, wobei er auch den Psalter des Hl. Antonius mitgehen liess. Daraufhin betete Antonius so inständig für den Mönch wie um die Rückkehr des Psalters, dass der Mönch von Erscheinungen heimgesucht wurde und schliesslich das Buch zurückbrachte.
Und was «macht» Antonius mit all dem Geld in seiner Kasse?
Die kurze Antwort: Helfen. Im Jahr 2024 wurden der Antoniuskasse in unserer Kirche über 18’000 CHF anvertraut. Für uns als Pfarrei ist dies eine unschätzbare Solidaritätsaktion, mit der wir Menschen in Notlagen helfen und finanziell unterstützen. Mit Einkaufsgutscheinen oder mal einem ÖV-Ticket können wir so (nach Prüfung) kurzfristig und unkompliziert aushelfen. Als Pfarrei wollen wir aber nachhaltig helfen. Wer weitere Hilfe braucht, muss mit unserer Fachperson Evelyne Jung eine Auslegeordnung machen. Prüfen der konkreten persönlichen wie finanziellen Situation, Budgetberatung, Abklärungen bei Stiftungen, Suche nach Möglichkeiten in Zusammenarbeit mit den Sozialämtern, Unterstützung bei Wohnungs- oder Jobsuche, Ausfüllen von Anträgen und vieles mehr.
Diese wichtige, zeitintensive und nicht immer ganz einfache Abklärung und Begleitung durch Frau Jung ermöglicht in vielen Fällen zu helfen und neue Perspektiven zu eröffnen. Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit für die betreffenden Personen die Voraussetzung dafür, dass über die Antoniuskasse überhaupt Gelder fliessen – mal für eine fällige Zahnarztrechnung, Stromkosten oder unvorhergesehene Ausgaben, die trotz Sozialbezügen nicht gedeckt werden können. Denn auch das zeigt die Auseinandersetzung mit dieser wertvollen Arbeit: Sozialbezüge zu erhalten sind kein Garant dafür, dass Menschen nicht doch unverschuldet in finanzielle – und damit auch persönliche – Probleme kommen, in denen das Sozialamt nicht mehr helfen kann, auch wenn es das gerne wollte.
Durch den Hl. Antonius – und Ihre Spenden – können wir aber dann helfen, unkompliziert, aber nicht blauäugig. Menschen vor allem in und um Arbon, die mit Ihrer Hilfe so Krisen überwunden und am eigenen Leib erfahren haben, dass christliche Nächstenliebe konkret werden kann, danken Ihnen dafür. Im vergangenen Jahr konnten wir so nämlich 76 Menschen mit CHF 26’124 auf die Beine helfen bzw. akute Notfälle lindern. CHF 4’000 waren kurzfristige Überbrückungen, die wieder zurückbezahlt wurden und, private Personen haben gut CHF 5’200 an Frau Jung abgegeben für Verwendungszwecke in Notlagen. Und der Betrag von rund CHF 3’000 hat uns zudem ermöglicht, einige der Gottesdienstkollekten aufzurunden und so andere Institutionen zu unterstützen.
Ob Antonius von Padua damals geahnt hätte, wie wichtig er über 800 Jahre später noch sein würde?
