Wenn ich an die Zukunft denke …
Zunächst die Einsicht, dass es wohl in meiner Jugend leichter war, an eine gute Zukunft zu glauben; damals war Aufbruchstimmung: Kennedy, Beatles, neue Formen in der Mode und auch ein Papst, der die Fenster öffnete – es konnte nur besser werden. Heute ist nicht sicher, welcher Zukunft wir entgegengehen. Viele Jugendliche haben psychische Probleme, wohl auch, weil sie sich schwertun, alles einzuordnen, was in unserer Welt geschieht. Und so kommen oft zuerst die grossen Probleme zur Sprache – die Kriege, die Klimakatastrophen, die Armut, die unsichere Weltpolitik und vieles mehr. Da stellt sich auch für ältere Menschen die Frage, was die Jungen von der Zukunft zu erwarten haben; und auch Eltern kann man verstehen, wenn sie sich fragen, ob sie Kinder in diese Welt setzen wollen.
Realistisch einschätzen
Der Fortschrittsglaube, den wir früher hatten, verbunden mit der Überzeugung, dass die Wissenschaft und neue Techniken alles zum Guten lenken werden, ist ins Wanken geraten. Aber wir vergessen dann oft, dass die Menschen zu allen Zeiten mit Sorge in die Zukunft blickten. Trotzdem haben sie darauf vertraut, dass sie Wege finden, um die Fragen und Aufgaben ihrer Zeit zu lösen. Es war nicht die Hoffnung, dass alles gut wird, sondern das Vertrauen, dass mit Arbeit und Einsatz vieles besser werden kann. Und darum sollten wir auch nicht vergessen, dass das menschliche Leben in vielen Bereichen besser geworden ist als in der Vergangenheit (zwar nicht für alle gleich): Lebenserwartung, medizinische Heilmöglichkeiten, Kindersterblichkeit, schulische Bildung, Kommunikation und Mobilität…
Mensch als Gemeinschaftswesen
Heute können wir am nächsten Tag in den Medien sehen oder lesen, was irgendwo in der Welt geschehen ist. Das kann die Menschen zu Unsicherheit und Zweifel führen: Was kann ich als einzelner Mensch denn schon bewirken im grossen Konzert der Welt? Der Mensch aber ist ein Gemeinschaftswesen – das war früher stärker bewusst, heute ist der Individualismus bei vielen ein wichtiger Wert: meine Wünsche, meine Bedürfnisse zuerst. Zukunft aber ist auf Gemeinschaft angewiesen und ausgerichtet; wir sind immer auch Teil eines Ganzen. So unterstützen sich Menschen im täglichen Leben, teilen die Freude und die Sorgen, sind solidarisch in Zeiten der Not. Darum ist die Zukunft immer auch eine gemeinschaftliche Chance, denn ich gehe meinen Weg mit anderen Menschen.
Die Bibel – ein Buch der Hoffnung
Die Bibel ist ein Hoffnungsbuch, nicht überheblich oder naiv: «Der liebe Gott wird’s schon richten» oder «Im Himmel wird alles besser werden.» Not und Leid und eigene Schuld werden nicht überspielt, doch Gott gibt dem Menschen eine neue Zukunft und hofft, dass der Mensch aus den Erfahrungen lernt. Am Ende des Buches Jesaja heisst es: «Ich bin im Begriff einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen. Sagt den flatternden Herzen: Seid stark! Fürchtet euch nicht!» (Jesaja 65) Damit ist der Mensch nicht aus der Verantwortung entlassen, aber er wird ermutigt und überwindet die fatalistische Haltung: «Da kann man doch nichts machen.» Die biblische Sicht kann auch uns heutigen Menschen helfen, dass wir in Gemeinschaft mit anderen Sinnvolles bewirken können mit der Zusage: «Macht die schlaffen Hände fest und stärkt die schwankenden Knie!» (Jes 65,3)
