Von Jesus gibt es eine schwierige Aussage: «Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen.» (Lk 12,49)
Wie kann er das gemeint haben, wenn wir an die zerstörerische Kraft des Feuers denken – Waldbrände, die Häuser niederbrennen, ja sogar Menschenleben fordern? Es ist eine Tatsache: Das Feuer spielt in allen Traditionen, Kulturen und Religionen eine wichtige Rolle. In der Bibel offenbart sich Gott Mose im brennenden Busch, trotzdem wird der Busch nicht zerstört. Und Gott offenbart sich als «Ich bin, der ich bin da». Er offenbart sich dann als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. (Exodus 3). Später wird berichtet, wie Gott das Volk Israel auf seiner Reise ins gelobte Land mit einer Feuersäule durch die Wüste führt. Damit wird klar, dass Gott nicht zerstören will, sondern dass er sich als jener offenbart, dem auch die Kräfte der Natur gehorchen. Gottes Allmacht zeigt sich als lebensschaffende Stärke, die den Menschen begleitet und auch befreit von bedrohenden Einflüssen.
Im Neuen Testament ist es bemerkenswert, dass der Heilige Geist an Pfingsten in Form von Feuerzungen auf die Jünger kommt. Wir können dies als Parallele zu Gott sehen, der sich durch den Dornbusch offenbart. Die Feuerflammen zerstören weder die Persönlichkeiten noch die Existenz oder das Wesen der Jünger, sondern beeinflussen sie, verwandeln sie und bringen Frucht in und durch sie. Vom Heiligen Geist erfüllt verkünden sie mutig die frohe Botschaft. Daher sollte das Feuer in der Bibel nicht nur in seiner destruktiven oder negativen Dimension gesehen werden. Es ist vielmehr ein Element, das den Menschen von innen her reinigt, ihn positiv beeinflusst, so auch verändert und fruchtbar macht. Der Heilige Geist ist also derjenige, der an seinen Taten, Früchten und Gaben erkannt werden kann. In diesem Zusammenhang können wir die Worte Jesu verstehen: «Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!» (Lk 12, 49). Jesus spricht da von der Spaltung, die auch vor Familie und Haushalt nicht Halt macht. Da will Jesus darauf hinweisen, dass seine Botschaft zu einer Entscheidung zwingt; man kann nicht zwei Herren gehorchen.
Religiöse Erfahrung auf ihrer existenziellen Ebene ist eine Frage, welches Feuer in uns brennt. Wer das erlebt, kann nicht ausweichen, wird davon berührt. Es ist etwas, das den ganzen Menschen betrifft. Daher ist es eine grundsätzliche Erfahrung, wie das Feuer des Glaubens uns erfüllt und motiviert. Da besteht immer auch die Gefahr von Fanatismus und Fundamentalismus. Wir erleben in unserer Zeit die Gefahr, wie blinder Fanatismus die Menschen verführen und irreleiten kann. Es ist tragisch, wie oft das Feuer der Religiosität zu einem zerstörerischen Element wird. Die christliche Tradition und der christliche Glaube wirken anders: Feuer ist das Wirken des Heiligen Geistes, der den Menschen selbst so verwandelt, dass die Welt die Wirkungen des Geistes im Menschen durch die Früchte erkennen kann.