Am See zu wohnen, fühlt sich oft wie Ferien an.
Der See hat viele Gesichter und Facetten, wenn es am Morgen leicht neblig ist, kann man den Eindruck haben, man lebt am Meer. Im Sommer beweisen die vielen Velofahrer, Familien und Touristen, dass ich mit dem Eindruck der «Ferien» nicht ganz falsch liege. Ich liebe vor allem die Abende am See, wenn der Tagestrubel verklungen und es ruhiger geworden ist: ein Spaziergang mit dem Hund oder der «Abendschwumm» mit meiner Kollegin, der die Hitze des Tages für ein paar erfrischende Momente vergessen lässt.
Was ich aber wirklich liebe, ist die Stimmung, wenn die Sonne tief steht: die Blautöne des Wassers, die samtigen Wellen, die meist sanft, manchmal auch wild über den See laufen. Es sind wertvolle Momente, wenn ich einfach am See sitzen und schauen kann. Der See hilft mir, ruhig zu werden und manchmal schenkt er mir auch einen Moment des Einsseins mit der Natur.
Ähnliches erlebt man vielleicht auch in den Bergen, bei Wanderungen oder Spaziergängen, wenn man ins Staunen kommt über die Grösse und Schönheit der Schöpfung, wenn der Atem sich mit den Schritten verbindet und die Gedanken zur Ruhe kommen und man einfach geht. Die Natur kann uns helfen, ins Gebet zu kommen – ohne grosse Worte, durchs Schauen, durch den Atem, durch das Staunen und die Ruhe. «Mein Gott, wie
wunderbar hast du alles erschaffen» betet der Psalmist, und gerne schliesse ich mich diesem Gebet an. Die Schöpfung lädt uns ein, den Schöpfer zu entdecken.
Die grosse Sommerhitze haben wir bald hinter uns, und der Spätsommer schenkt uns neue Zeit für ruhige Momente in der Natur, im Wald, im eigenen Garten, am See und in den Bergen. Gönnen wir uns solche Momente des Staunens, der Dankbarkeit und des Gebets!