Zum Hauptinhalt springen

Der Glaube schenkt Heimat

30. September 2022
Der Glaube schenkt Heimat
Danken wir Gott, dass nach der Coronazeit die Welt einigermassen normal geworden ist.

Ich konnte dieses Jahr wieder in meine Heimat fliegen und die Familienmitglieder besuchen. Trotz all den lieben Menschen war der erste Besuch zu Hause nach dem Tod meiner Eltern ein ganz anderes Gefühl. Ein Haus ohne einen Vater und eine Mutter ist eine Erfahrung der Leere. Das christliche Glaubensleben und die christliche Spiritualität sind keine isolierten Spiritualitäten eines Einzelnen. Das Reich Gottes hat etwas zu tun mit dem Traum von Jesus von einer Weltfamilie, in der der himmlische Vater der Vater aller wird.

Trotz aller Entwicklungen in Technologie und Informatik sind viele Menschen heutzutage allein. Isolierungen und Depressionen vermehren sich, und in diesem Sinne kann man sagen, viele Menschen fühlen sich heimatlos. Die existentielle Heimatlosigkeit gehört zu unserem Leben. Die Worte des hl. Augustinus drücken es aus: «Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Gott.» Das Reich Gottes erfahrbar zu machen bedeutet dann, die Heimatlosigkeit der Menschen anzusprechen und ihnen zu helfen in Gott Heimat zu finden. Drei Sätze aus dem Lukas-Evangelium kommen in den Sonntagslesungen vor: «Herr, stärke unseren Glauben.» (Lk 17.5) – Ist diese Bitte der Jünger auch heute eine Bitte von vielen Menschen, die versuchen ihren Glauben zu leben?

Zehn Aussätzige wurden geheilt und nur ein Fremder kommt zurück zu Jesus, um zu danken. Zu ihm sagt Jesus: «Steh auf und geh; dein Glaube hat dir geholfen.» (Lk 17.19). Fehlt es vielen Menschen heute an Mut sich auf den Weg zu machen, in Gott Heimat zu suchen und ihm zu danken für vieles, was wir haben und wer wir sind? Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden? (Lk 18.8). Bleibt diese Frage von Jesus an uns immer noch? Oder ist es ein Auftrag für die Kirche und für alle Christen, ihren Glauben zu leben und dadurch vielen Menschen eine Heimat zu schenken?

Joseph Devasia