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Editorial

19. Oktober 2022
Editorial
Etwas perplex war ich schon, als ich letzte Woche in Lindau an einer Werbetafel mit dieser Frage vorbeikam: Heute schon gesündigt? Sie können es sich vielleicht schon denken, versuchte eine Chocolaterie mit diesem Spruch auf ihre Produkte aufmerksam zu machen, die wohl eine «Sünde» wert seien.

Sünde und Schokolade, genauso wie Verkehrs-Sünde, Umwelt-Sünde, Mode-Sünde ist im heutigen Sprachgebrauch ganz normal. Dennoch, mit der Sünde Werbung zu machen, irritierte mich und ich fühlte mich gar nicht versucht diese Schokolade zu kaufen. Heute schon gesündigt? Diese flapsige Frage zeigt schon, dass man die Sache nicht mehr ganz ernst nimmt, denn oft nutzen wir eben
diese Worte, um über einen Fehler, den wir gemacht haben, zu sprechen. Doch ist Sünde mehr als ein Fehler, der eben passiert. Von der Wortherkunft bedeutet Sünde: Verfehlung des Ziels. Für mich eine sehr schöne Definition mit viel Eigenverantwortung. Denn sie stellt mir die Frage: Was ist mein Ziel und bin ich auf dem Weg dorthin? Was ist Ihr Ziel? Die Antwort darauf ist relevant! Glücklich
und zufrieden sein? In Frieden alt werden? Welche Zielvorgabe macht Jesus für unser Leben? Leben in Fülle, das Reich Gottes, Eins sein mit dem Vater, Selig seid ihr… Wenn ich Jesus und seine Botschaft als das Ziel meines Lebens sehe, dann bin ich auf dem Weg mit ihm und zu ihm. Dann sind die Dinge, Worte, Gedanken, Handlungen, die nicht zu diesem Weg passen, eben Verfehlungen auf diesem Weg – religiös gesprochen: Sünde. Deswegen wird das Thema Umkehr im christlichen Glauben auch so gross geschrieben, weil es notwendig ist, ständig zu prüfen, ob man sein Ziel noch vor Augen hat oder den Weg verfehlt.

Heute schon gesündigt? Ja, wahrscheinlich schon. Aber: Gott sei Dank ist unser Gott ein gnädiger, geduldiger und barmherziger Gott, der das Verlorene sucht und nicht aufhört sich zu freuen, wenn der
Mensch umkehrt.

Simone Zierof