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Heiliges - unheiliges Land

03. November 2022
Heiliges - unheiliges Land
Eigentlich hätten wir im Oktober unsere Pfarreireise nach Israel gemacht. Doch viele waren unsicher: wie wird die Coronasituation im Herbst sein und wie wirkt sich der Krieg in der Ukraine weiter aus… Die Anmeldungen kamen spärlich und so mussten wir die Reise leider absagen. Da aber viele ihr Interesse an dieser Reise angemeldet haben, stand schnell fest: Wir starten im nächsten Jahr einen neuen Versuch!

Schon lange hatte ich mich persönlich auf diese Reise gefreut, denn schon öfter durfte ich mit Gruppen oder auch allein in diesem Land Zeit verbringen, Israel ist mein Sehnsuchtsland. Deswegen musste ich nicht lange überlegen, bis mein Entschluss feststand: Dann fahre ich ohne Gruppe und schaue mich um, wie eine solche Reise im kommenden Herbst aussehen könnte. Eine Kollegin aus der Pfarrei schloss sich mir an und so flogen wir in den Herbstferien nach Israel.
Auf dem Programm die Klassiker einer jeder Israel-Wallfahrt: der Norden von Galiläa, der See Genezareth, Nazareth, Jerusalem und Bethlehem. Am See Genezareth erwarteten uns tropischfeucht-
warme Temperaturen und so manche Schweissperle lief uns den Rücken herunter, als wir uns zu Fuss auf den Berg der Seligpreisungen aufmachten. Doch oben angekommen, wurden wir mit einer sensationellen Aussicht auf den See belohnt. An dieser Stelle soll Jesus seine Bergpredigt gehalten haben und die Worte begleiteten uns auf dem weiteren Weg. In Kapernaum kann man die Synagoge
(Ausgrabungen) besuchen, in der Jesus gelehrt hat und auch das Haus des Simon Petrus kann man besichtigen. Es braucht etwas Zeit, bis die Erkenntnis: «Jesus war hier» vom Kopf ins Herz rutscht. Das ist an vielen Stellen so. Doch vor Ort sehen zu können, was wir so oft in der Bibel lesen, hilft die Worte der Heiligen Schrift neu zu erleben. Nicht umsonst heisst das Heilige Land auch: das fünfte Evangelium.

An manchen Stellen, wie z.B. in Nazareth, erinnern vor allem Kirchen an das, was sich dort vor 2000 Jahren zugetragen hat. Interessant ist es, die unterschiedlichen, christlichen Kirchen zu besuchen und zu sehen, wie in den verschiedenen Traditionen die Orte verehrt werden, an die Orte, an denen für uns so Wichtiges geschah. Es gibt kein anderes Land auf dieser Welt, an dem man die Fülle an christlichen Traditionen so erleben kann, wie in Israel. Der Höhepunkt ist immer der Besuch in der heiligen Stadt Jerusalem. Von hohen Mauern umgeben sind die Heiligtümer der drei monotheistischen
Weltreligionen konzentriert auf einen Quadratkilometer. Der Tempelbezirk der Juden mit der Klagemauer, der Felsendom der Muslime, errichtet auf dem Tempelberg und nur ein paar Meter weiter entfernt, das wichtigste Heiligtum der Christen, die Grabeskirche.
Dass es in dieser Stadt zugeht wie in einem Ameisenhaufen, merkt man nach den ersten Metern. Christliche Touristen aus aller Welt, orthodoxe Juden auf dem Weg zum Gebet, Muslime auf dem Weg zur Moschee, all das verdichtet sich in den engen Gassen der Altstadt. Es ist faszinierend und erschreckend zugleich. Da hat sich seit der Zeit Jesu auch nicht viel geändert. So viel Glaube und so viel Konflikte. Diese Stadt braucht Zeit und die muss man sich auch nehmen, wenn man sich klar werden will – durch diese Strassen hat Jesu sein Kreuz getragen, hier wurde er hingerichtet – und hier ist er von den Toten auferstanden.

«Nächstes Jahr in Jerusalem», so verabschiedet man sich von dieser Stadt. Die Sehnsucht nach diesem heiligen Ort nimmt man im Herzen mit. Überlegen Sie es sich! Nächstes Jahr im Herbst vom 15. bis 22.10.23 versuchen wir es noch einmal!

Simone Zierof