Ein Grund zur Hoffnung
Und wie schon in den vergangenen Jahren hoffen wir auf ein besseres, gesünderes und vor allem auch friedlicheres Jahr als diejenigen, die gerade hinter uns liegen. Manch einem kann da aber die Frage kommen, ob wir überhaupt noch Grund dafür haben, zu hoffen, dass es besser wird. Zumal sich die Konflikte, die Aggression und auch der raue Ton in so vielen Bereichen in der letzten Zeit weiter zugespitzt und ausgeweitet haben, anstatt sich zu verbessern.
Gibt es also noch Grund zur Hoffnung? Absolut Ja. Und den Grund dieser Hoffnung haben wir gerade wieder gefeiert. Er ist Mensch geworden. Gott selbst ist es, der uns in diesem Kind in der Krippe vorlebt, dass wir die Hoffnung nicht verlieren dürfen, weil er unsere Hoffnung ist. In Jesus Christus zeigt uns Gott, dass alles Leid, alle Ungerechtigkeit und alles Böse in der Welt am Ende überwunden werden. Aber da ist noch etwas, was ich wichtig finde: ER, Gott selbst verliert trotz vieler guter Gründe auch die Hoffnung in uns Menschen nicht.
Es ist doch erstaunlich, wie sehr Gott sich in diesem abenteuerlichen Plan, Mensch zu werden, ausgerechnet auf diejenigen verlässt, die er retten und befreien will. Wie oft wäre diese Mission Jesu schon ganz zu Anfang zum Scheitern verurteilt gewesen, wenn einzelne Menschen nicht mitgeholfen, unterstützt oder einfach nur «das Richtige» getan hätten. Und warum taten sie das? Weil sie selbst voller Hoffnung waren auf eine bessere Zukunft. Darauf, dass die Verheissungen von Frieden, von Gerechtigkeit, ja sogar dem Reich Gottes keine Luftschlösser sind, sondern sich hier auf Erden tatsächlich erfüllen können.
Einer der ersten war Joseph, der Maria in ihrer Schwangerschaft nicht alleine liess. Dann die Weisen aus dem Morgenland, welche die Entscheidung trafen, nicht zu Herodes zurückzugehen. Und danach über all die Jahrhunderte so viele bekannte und unbekannte heiligen Männer und Frauen oder Menschen, wie du und ich, die persönlich eingestanden sind für diese Hoffnung und damit verbunden für ihr tiefes Vertrauen in Gott, in seine Hilfe und auch sein Wirken durch alle Zeiten. Ich denke an Menschen wie Maximilian Kolbe, der im Konzentrationslager freiwillig mit einem Familienvater den Platz getauscht und für ihn in den Tod gegangen ist. Oder an Mutter Teresa, die durch ihren Einsatz unzähligen Menschen nicht nur Würde, sondern auch Hoffnung und Vertrauen zurückgegeben hat. Und ich denke an all die unbekannten Menschen durch alle Zeiten bis heute, zu jedem einzelnen von uns, die im Vertrauen auf die Liebe Gottes eben diese Hoffnung selbst nicht verlieren – ja mehr noch: sie selbst ausstrahlen und vorleben. Denn so wie jedes Jahr Weihnachten von Neuem ein Hoffnungszeichen dafür ist, dass Krieg, Leid, Ungerechtigkeit und Tod niemals siegen werden, so können und sollen auch wir selbst zu solchen Hoffnungszeichen werden; nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Wenn wir miteinander hineinschauen in die heutige Welt wird klar, wie sehr es uns braucht. Jesus hat gesagt: «Ihr seid das Licht der Welt. … Man zündet nicht eine Lampe an und stellt sie unter ein Gefäss, sondern auf den Leuchter. … So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.» (Mt 5,13-16). Es braucht Menschen, die in genau dieser Hoffnung leben und sie ausstrahlen. Und die durch ihr Tun selbst wieder zu Hoffnungszeichen für andere werden. Viele von uns tun das bereits, in dem sie mit Jesus als Vorbild leben und in Entscheidungen und Grundhaltungen aus dem Vertrauen in Gott leben. Vielleicht aber dürfen wir das noch deutlicher und sichtbarer tun und vom Grund unserer Hoffnung, dem menschgewordenen Gott, sprechen und ihn bezeugen.
Diese Welt braucht Hoffnung. Bei der offenen Kirche im Advent waren viele Sätze rund um das, was Menschen heute Hoffnung gibt, zu lesen. Einige von diesen Aussagen werden wir in den nächsten Ausgaben des Pfarrblatts veröffentlichen. Lassen wir uns von ihnen motivieren, selbst Trägerinnen und Träger der Hoffnung zu werden durch aufbauende Worte, helfende Gesten und Grundhaltungen, die von der Liebe Gottes erzählen, die am Ende die Dunkelheit besiegt und Licht, Frieden und Heil schaffen wird. Wir stehen an der Schwelle zum neuen Jahr. Beginnen wir voll Hoffnung und Vertrauen in die Liebe, Hilfe und die Führung unseres Gottes, der für uns Mensch geworden ist, um uns auf diesem Weg durch die Zeit an die Hand zu nehmen.
