Mit der schnellen Entwicklung in Technik und Kommunikationsmedien ist die Welt klein geworden.
Trotzdem ist die Nähe der Menschen nicht unbedingt spürbarer geworden. Deswegen ist die Frage, die uns die Bibel vorstellt, immer noch wichtig: «Wer ist wirklich mein Nächster?» In der Parabel vom Barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37) können wir drei verschiedene Menschentypen sehen. Eigentlich stellen sie drei verschiedene Mentalitäten in unserer gegenwärtigen Kultur dar.
Die erste Gruppe ist jene der «Mafia-Kultur». Der Räuber in der Parabel vom Barmherzigen Samariter vertritt diese Kultur; das sind all die Leute mit der Mentalität, alles an sich zu nehmen. Sie scheuen sich nicht, zu plündern und sogar das Leben anderer zu zerstören. Aus Selbstsüchtigkeit sammeln sie materielle Dinge wie die Mafia.
Die zweite Gruppe in der Geschichte wird vom Priester und dem Leviten vertreten. Wir können sie die «Sofia-Kultur» (Kultur vom Intellekt) nennen. Sie kennen die kulturell bedingten Probleme und das Bedürfnis, dem Schwachen und Verwundeten zu helfen, aber sie gehen vorüber. Für sie haben ihre eigene Sicherheit, ihre Position und ihr Prestige in Gesellschaft und Welt oberste Priorität.
Die dritte Gruppe in der Geschichte wird vom Samariter dargestellt. Er gehört zur «Gloria‑Kultur». Die Vertreter dieser Kultur setzen sich für die Gesellschaft, die Gemeinschaft unter den Menschen ein. Sie finden Befriedigung darin, dem Schwachen und Verwundeten in der Gesellschaft zu dienen. Durch ihren Dienst, ihre Hingabe und ihr Engagement machen sie die Gesellschaft «herrlich» – darum «Gloria».
In unserer gegenwärtigen Kultur und Gesellschaft, die geprägt ist von Krieg, Fanatismus und Ichbezogenheit, können wir viele Spuren der Mafia-Kultur und Sophia-Kultur erkennen. Jesu Nachfolge heisst für uns, die Boten und Botinnen der Gloria-Kultur zu sein.