Zum Hauptinhalt springen

Hören, Zuhören und Hinhören müssen wir genauso lernen wie das Reden

24. Juni 2022
Hören, Zuhören und Hinhören müssen wir genauso lernen wie das Reden
Gott hilft uns dabei im Gebet, dass er für uns da ist und wir ihm vertrauen können!

Unsere Wahrnehmung ist geprägt von Bildern und wir denken, dass das Auge unser leistungsfähigstes Sinnesorgan ist. Tatsache ist, dass das Ohr mehr als doppelt so viele Sinneseindrücke verarbeitet wie das Auge. Wie sagte bereits Immanuel Kant: «Nicht zu sehen, trennt von den Sachen, nichts zu hören von den Menschen». Oft gibt es Gründe, warum nicht gut gehört wird. Hören wir gut, nehmen wir das als Selbstverständlichkeit hin. Hört man als Kind nicht so gut, wird heute bereits früh abgeklärt, wie und mit was man das lösen kann. Es gibt sogar Frühförderung. Das ist gut so, denn wir wollen ja alle mit dabei sein, denn hören zu können, bedeutet am Leben teilzunehmen. Im Alter nicht so gut zu hören, wird oft ignoriert und erst nachdem man sich durch ein Hörgerät Hilfe geholt hat, merkt man, was für eine Lebensqualität man wiedererlangt hat.

Hören ≠ Zuhören

Dann ist da noch das Zuhören, was nichts mit dem gut oder weniger gut hören zu tun hat. Hören ist nicht zuhören, genau so wenig wie lesen nicht gleich sehen ist. Sind wir an etwas interessiert, hören wir gerne zu. Es gibt aber vielfältige Anforderungen, was das Zuhören betrifft. Manchmal hört man eine Meldung im Radio, ohne sie richtig aufzunehmen, weil man wohl hingehört hat, aber erst im Nachhinein merkt, dass es wichtig gewesen wäre, zuzuhören. Dann aber ist die Meldung schon vorbei und man hofft, dass sie wiederholt wird, um sie zu verarbeiten, um sich darauf einzustellen und zu handeln, wenn es die Notwendigkeit erfordert. Zuhören setzt aber auch voraus, dass man interessiert ist, was man uns sagen will. Will der Mensch nichts wissen, wird man sich auch nicht anstrengen, zuzuhören. Das fängt schon an, wenn man bei seinem Gegenüber nachfragt, ob es ihm gut geht und er uns mitteilt, dass es geht. Was heisst das schon und wie interessiert es mich? Frage ich nach, habe ich richtig zugehört, rede ich aber davon, dass es gerade regnet, habe ich nicht richtig zugehört, was so viel heisst, zum einen Ohr rein, zum anderen raus.

Ja, Zuhören kann schwierig sein. Es setzt voraus, dass ich auch etwas erfahren will. Man muss die gesagten Worte verstehen, sie aufnehmen, die Signale, den Tonfall richtig deuten. So erfährt man auch etwas über die Befindlichkeiten des Sprechenden, über seine Gefühle und Einstellungen. Wie sagt man so schön: Mit offenen Ohren zuhören! Dann ist noch die Situation, dass man zuhört und einen Rat mit auf den Weg gibt. Um Rat wurde aber nicht gefragt, sondern man wollte nur seine Sorgen deponieren, etwas anvertrauen. Man muss sich bewusst sein, dass es um den anderen, nicht um sich selbst geht.

Mit Gott kommunizieren

Viele vertrauen Jesus ihre Sorgen und Schwierigkeiten an. Sie reden mit ihm in der Hoffnung, dass er zuhört. Er weiss ja schon alles und hört doch zu – er hört die Gebete. Er hat Zeit, er ist für uns da. Er hilft uns. Beten ist nichts anderes als mit Gott reden, mit ihm kommunizieren. Hören wir Gott zu? Wir beten zu Gott, und wenn wir fertig sind, gehen wir unseren Weg einfach weiter. Viele Gebete sind keine gegenseitige Kommunikation, sondern Einweg-Botschaften. Gott aber weist uns indirekt auf seine Art und Weise auf eine Lösung hin. Zeigt uns Wunderbares aus der Natur, wo plötzlich die Sorgen kleiner werden, im Wind verblassen, ins Wasser eintauchen oder zum Himmel steigen. Oder wir begegnen Menschen, die für uns da sind, uns im irdischen Leben zuhören. Wir freuen uns an Melodien, die uns mittragen und sagen, lehn dich zurück, auch für dich gibt es Menschen, die dir zuhören und dich dadurch unterstützen.

Ich wünsche allen Menschen, dass ihnen zugehört wird, wenn sie es brauchen, so wie Gott uns zuhört und für uns da ist.

Evelyne Jung