Keine Lust auf den Karfreitag?
Die Stille am Beginn, das Knien, die heftigen Lesungen, die ohne grosses Grusswort uns helfen wollen, Deutungen zu finden für das, was kommt. Wir hören lang und ausführlich von der Gefangennahme, der Folter und Verurteilung, von der Kreuzigung und dem Sterben Jesu. Dann die grossen Fürbitten, die uns das Leid dieser Welt vor Augen stellen. Gefolgt von der ganz persönlichen Begegnung mit dem Kreuz. Wir werden aufgefordert in Berührung zu kommen mit dem Gekreuzigten, eine Verneigung zu machen, ihn zu berühren, zu küssen und den geschundenen Leib am Kreuz aus nächster Nähe zu betrachten. Es ist schwer und kaum ertragbar, wenn man sich ernsthaft darauf einlässt.
Kaum verwunderlich, dass viele Bänke in der Kirche zur Todesstunde Jesu leer bleiben. Da gibt es viel anderes, was man am freien Tag machen kann, der schon lange kein stiller Tag mehr ist. Es ist schwer, an diesem Tag, der nach Stille, Besinnung und empathischer Trauer ruft, sich nicht dem Mainstream hinzugeben und die Frühlingssonne zu geniessen, das Velo auszufahren oder den Balkon aufzuräumen, wie es all die anderen machen, denen die christliche Tradition nicht wichtig ist. Der Sog ins Profane und Belanglose ist gross und wird von Jahr zu Jahr grösser. Diesem Sog sollten wir nicht nachgeben, sondern die Priorität entschieden und ganz bewusst auf die Teilhabe an der Liturgie legen.
Warum? Weil es uns nicht egal sein sollte, dass sich die christlichen Traditionen zunehmend in Luft auflösen. Und natürlich an erster Stelle, um uns an das zu erinnern, was damals passiert ist und was Jesus für uns getan hat. Die «Er-Innerung» ist wichtig, damit wir immer tiefer hineinwachsen, die Deutungen und die Bedeutung immer mehr «ver-innerlichen»: Das Geheimnis der Heilsgeschichte und die Grösse der Erlösung, die eben durch den Tod zur Auferstehung führt. Es braucht ein lebenslanges Betrachten dieser Worte der Passion, um sie begreifen zu lernen.
Es ist wichtig, dass wir diesen Tag mit ganzem Herzen, dem ganzen Verstand bis in die Tiefe unserer Seele «verstehen», damit unser eigenes Leid, unsere eigenen Todes- und Tiefpunkte dort widerhallen können, bei dem, der in die Tiefe des Todes hinabgestiegen ist, damit wir dort nicht alleine sind, sondern immer auf den «mitleidenden» Gott schauen können.
Wir müssen sehen, was Er auf sich genommen hat, um alle Trennung, alle Sünde und Schuld hinwegzunehmen, damit wir demütig die Grösse und Weite der Erlösung erfassen. Das ist nicht schön, das ist nicht leicht, aber es ist wichtig. Nur durch den Karfreitag kann Ostern uns Hoffnung sein, weil der Karfreitag uns am Grund unserer Armseligkeit und Bedürftigkeit abholt.
In diesem Gottesdienst treten wir solidarisch ein in das Leid Jesu, das immer auch das Leid dieser Welt ist. Wir leiden mit und beten stellvertretend für die Menschen, die ihren ganz persönlichen Karfreitag erleben. Wir leiden mit Gott, der überall dort ist, wo seine Schöpfung schreit.
Die Teilhabe am Triduum, an den drei grossen Gottesdiensten zwischen dem Hohen Donnerstag und Ostersonntag, ist keine Frage der Lust, sondern der bewussten Entscheidung. Christus hatte keine Lust, sich kreuzigen zu lassen, aber er hat es zugelassen aus Liebe zu uns. Unsere Dankbarkeit, unsere Suche nach Glauben, unser eigenes Elend und die Hoffnung auf Rettung kommen in dieser Todesstunde Jesu zusammen. Es ist nicht leicht, spiegelt aber das Leben in allen Facetten wider.
Kommen Sie! Nehmen Sie teil an dem grossen Geheimnis, damit es Wurzeln schlägt in Ihrem Herzen und Hoffnung schenkt für Ihr Leben und nicht in der religiösen Belanglosigkeit dieser Tage verloren geht.
