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Der Höhepunkt des Jahres

05. März 2026
Der Höhepunkt des Jahres
Am Ende der Fastenzeit steht die Heilige Woche.

Sie beginnt mit dem Palmsonntag und findet ihren Höhepunkt in der Feier der Osternacht. Keine Woche im Jahreskreis ist liturgisch so besonders geprägt wie diese. Viele Traditionen begleiten auch das private Leben, angefangen von den Palmsträussen, den gefärbten Eiern, den besonderen Speisen am Hohen Donnerstag oder dem Fasten am Karfreitag, dem besonderen Ostergebäck und das Osterfrühstück mit den gesegneten Speisen. Mit diesen Traditionen verflechten sich die liturgischen Tage mit den Bräuchen im eigenen Haus.

Der Palmsonntag ist ein ambivalenter Festtag, wir hören über den Einzug Jesu in Jerusalem und «spielen» diesen Einzug nach, indem wir mit den gesegneten Palmzweigen in die Kirche einziehen und dazu Jubellieder singen, wie die Menschen damals in Jerusalem, die laut «Hosianna» riefen. Es ist ein heiliges Spiel, das uns helfen will, wirklich Teil dieses Geschehens zu werden, selbst einzutreten in die Heiligen Tage. Die Freudenrufe enden jäh, wenn uns die Passion in ihrer vollen Länge vorgelesen wird. Damit wir wissen, was auf uns zukommt und worüber wir in den nächsten Tagen intensiv meditieren sollen. Die liturgische Farbe dieses Tages, das Blutrot, nimmt uns schon in das Martyrium Jesu hinein.

Am Hohen Donnerstag oder Gründonnerstag (grün kommt vom altdeutschen Greinen, weinen) treten wir in die Heiligen Drei Tage ein. Das Triduum beginnt. Hier beginnt der Gottesdienst wieder festlich, beim Gloria läuten alle Glocken im Turm und in der Kirche, danach schweigen Orgel und Glocken bis zum Gloria in der Osternacht. Im Einsetzungsbericht werden wir wieder in das Geschehen mit hineingenommen, nicht als Erinnerung, sondern als Vergegenwärtigung des Heilsgeschehens. «Das ist heute» spricht der Priester bei den Einsetzungsworten. Den dramaturgischen Höhepunkt des heiligen Spiels erleben wir, wenn nach der Kommunion die Kerzen ausgeblasen und der Altar, der Tabernakel, das Ewige Licht aus der Kirche getragen werden. Die Leere, die Dunkelheit der Nacht, das Leiden beginnt. Dass kein Segen gesprochen wird, macht deutlich, dass das Triduum ein Gottesdienst ist. Ebenso beginnt der Karfreitag ohne Eröffnung, direkt mit dem Tagesgebet. Hier werden wir durch die körperliche Verehrung auch hineingenommen, ganzheitlich teilzunehmen, einzutauchen in das Leid Jesu. Es ist ein stiller Gebetsgottesdienst, schwer, aber notwendig, um Ostern feiern zu können. Die Liturgie mit ihren Zeichen und Symbolen nimmt uns hinein in das Geschehen. Auch dieser Gottesdienst endet ohne Segen und Gruss als Aufforderung, die kommenden stillen Tage bis zur Osternacht in Andacht und Meditation zu verbringen. Je mehr man sich darauf einlässt und nicht gleich wieder zum Tagesgeschäft übergeht, umso tiefer ist das Erleben des Ostergeheimnisses. Der Tag der Grabesruhe lädt ein, zum stillen Gebet in die Kirche zu kommen. Der Tabernakel steht offen, kein Allerheiligstes ist da, das ewige Licht brennt nicht.

In der Nacht wird das Osterfeuer entzündet und das Osterlicht wird in die dunkle Kirche getragen. Mit sechs Lesungen wird uns die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen in Erinnerung gerufen. Wir sollen verstehen, dass wir ein Teil dieser Geschichte Gottes mit den Menschen sind, keine distanzierten Zuschauer, keine Teilnehmenden einer Geschichtsstunde, sondern Gottes Volk, das heute auf dem Weg ist. Viele Zeichen in dieser Nacht, viele Handlungen und Gebete wollen dies verdeutlichen. Es ist ein grosses heiliges Spiel, das uns mit unserem ganzen Sein, mit allen Sinnen mit hineinnehmen will. Gerne lade ich Sie zum Vortragsabend «Das Geheimnis verkosten» ein. Ein Abend, der genau diese drei heiligen Tage in den Blick nimmt und erklärt, was und wie wir feiern. Eine grosse Chance, diese wunderbare Liturgie besser zu verstehen und mitfeiern zu können. Herzlich willkommen!

Simone Zierof