Verkehrte Welt – zu unserem Heil
An Ostern müssen wir uns auch mit einer verkehrten Welt befassen, denn es ist alles anders gekommen, als es von der Jüngerschar von Jesus erwartet und erhofft war. Er, der die Menschen in seinen Predigten berühren und begeistern konnte, er, der Kranke geheilt hatte, er, der die einfachen Leute von belastenden jüdischen Gesetzen befreit hatte, er, der den Menschen Hoffnung und Mut zusprach, er, den schon viele als Messias sahen – dieser Jesus von Nazareth wurde aus dem Verkehr gezogen, zum Schweigen gebracht und auf die schlimmste Art ums Leben gebracht: ans Kreuz genagelt, so wie es das Schicksal von Verbrechern war. Jene, die das so veranlassten, hatten alle ihre Gründe: Die Priesterschaft und die Pharisäer sahen das jüdische Gesetz und damit die Grundlage des Volkes in Gefahr, das konnten sie nicht zulassen. Pilatus fand zwar keine Schuld an Jesus, aber er befürchtete Unruhen in Jerusalem, die er dann mit seinen römischen Soldaten bekämpfen musste, dann lieber einen einzigen Unschuldigen opfern und wieder Ruhe haben. Und die Menschen, die Jesus noch kurz zuvor bejubelt hatten, waren jetzt doch enttäuscht, weil dieser Mann nicht kämpfen wollte, gegen die Oberschicht, gegen die Römer, für sie.
Verwirrung und Enttäuschung
Wenn sich im Leben etwas nicht so entwickelt, wie wir es geplant und auch seriös vorbereitet haben, dann können wir das zunächst nicht verstehen, wir sind verwirrt und enttäuscht, denn nichts hatte auf diese verkehrte Entwicklung hingewiesen. So auch bei den Jüngern und den Frauen um Jesus. Warum hat er sich nicht gewehrt, warum ist er nicht geflohen und hat sich in Sicherheit gebracht? Und die Nachricht von Ostern: Er ist auferstanden! – das können sie zuerst nicht glauben. Angst und sogar Entsetzen sind ihre ersten Reaktionen, erst dann bricht die gute Nachricht durch. Da zeigt sich eine Wirkung der Osterbotschaft: Wo wir schon abgeschlossen haben und an keine Entwicklung mehr glauben, da wird die verkehrte Welt in die richtigen Bahnen gelenkt: Nicht Abschluss, nicht Resignation, sondern Aufbruch und neues Leben!
Geduld und Widerstand
An Ostern werden wir beschenkt mit einer Hoffnung, die von uns Geduld und Demut erfordert. Bis diese Hoffnung bei uns, in unseren Herzen ankommen kann, gehen wir einen langen Weg im Glauben. So vieles, was in unserer Welt jeden Tag geschieht, lässt uns zweifeln an einer guten Entwicklung zu mehr Frieden und Gerechtigkeit. Das verstellt uns oft den Blick für das Gute, ganz nah bei uns und auch an vielen Orten der Welt. Ostern durchbricht Mauern und Resignation und lässt uns vertrauen: Es lohnt sich zu leben und zu kämpfen, jeden Tag, und ich kann etwas
beitragen und dort Widerstand leisten, wo Unrecht geschieht, wo Menschen übergangen oder unterdrückt werden. Die Lebenskraft von Ostern lässt sich nicht ausschalten, sie bricht immer wieder auf in jedem Menschen, der diese Hoffnung ausstrahlt.
Aus Vertrauen leben
Wir können Ostern auf Distanz halten, als eine gute Idee anschauen, ohne Wirkung auf unser Leben, wir können eine gleichgültige Einstellung einnehmen: Ja, irgendwie wird es schon gehen. Die Osterbotschaft will uns zu einer anderen Einstellung bewegen: Die verkehrte Welt wird durch Ostern umgekehrt; nicht der Tod und das Ende bestimmen unser Leben, sondern das Licht und das neue Leben, das Jesus uns schenkt durch die Auferstehung. Aber das ist keine Hoffnung auf ein fernes Jenseits, schon hier, in dieser Welt, erfahren wir, dass wir Erlöste sind und in diesem Bewusstsein unseren Lebensweg gehen sollen. Wir sind zum ewigen Leben bestimmt, darum können wir das irdische Leben mit den vielen kleinen Abschieden und Enttäuschungen gelassen ertragen. Ein Märtyrer hat seine österliche Lebenshaltung so ausgedrückt: «Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein leben, sondern weil Gott es mit uns lebt!»
