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Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben...

15. April 2026
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben...
Positive Erinnerungen haben eineermutigende Wirkung im Leben. Wir Menschen leben in der Zeit. Aber die menschliche Dynamik der Zeitlichkeit ist geprägt von einer transzendentalen Offenheit, die bis in die Ewigkeit reicht.

Ein positiver Rückblick und die Annahme der Vergangenheit können die Erinnerungen reinigen, die Zukunft mit Hoffnung erfüllen und die Gegenwart mit Begeisterung beleben. Die gnadenvolle Osterzeit erinnert uns an diese transzendentale Dimension des menschlichen Lebens, die die religiöse Dimension unseres Seins und Denkens ausmacht. Die Kirche folgt in diesem Zusammenhang dem Gebot des Herrn: «Tut dies zu meinem Gedächtnis».

Die Feier der Eucharistie ist das Geschenk des Herrn an die Kirche zur Verwirklichung dieses Geheimnisses. Die Osterzeit ist für die Kirche eine Zeit der Erneuerung ihrer Identität – eine Zeit, sich an ihren Ursprung und an ihre Quelle zu erinnern und durch die Besinnung auf ihre Sendung und Aufgabe in der Welt neue Kraft zu schöpfen. Die Schriftlesungen in dieser Zeit geben Hinweise auf das Wesen und den Charakter der Kirche. Die Erzählung der Jünger auf ihrem Weg nach Emmaus (Lk 24,13–35) ist ein typisches Beispiel dafür. Gemeinsam im Glauben mit dem Herrn unterwegs auf dem Weg ihrer Mission – gekennzeichnet durch das Wort und das Brechen des Brotes – zeigt sich die Gemeinschaft der Kirche, genährt durch die Sakramente und die Heilige Schrift.

Die Evangelien in der Osterzeit geben uns auch Kriterien und Orientierung für den Weg der Kirche durch die Zeit. «Ich bin die Tür zu den Schafen. Der Dieb kommt nur um zu stehlen, zu schlachten und zu verderben; ich bin gekommen damit sie das Leben haben und es in Fülle haben» (Joh 10,9‑10). Der auferstandene Herr, der den Tod und das Böse besiegt hat, verspricht uns das ewige Leben. «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater ausser durch mich» (Joh 14,6). Das menschgewordene Wort Gottes und der Erlöser der Welt sind Mittel und Mittler des Heils. Er ist die Wahrheit, die es zu suchen gilt, der Weg, dem man folgen muss, und der Herr, den es zu verehren und zu lieben gilt; denn wenn man ihn sieht, sieht man den Vater selbst.

Wir leben in einer Zeit des Überflusses – eines Überflusses der Angebote und der vielfältigen Möglichkeiten. Es gibt so viele Angebote für die Beschäftigung unseres Lebens und des Denkens. Im Licht der Worte Jesu gleichen viele dieser Strömungen Dieben – sie kommen, um zu stehlen, zu töten und zu zerstören. Viele Menschen werden in ihrem Leben gestört oder zerstört, nachdem sie so viele Wege ausprobiert haben, welche die heutige Welt bietet. Eine kritische Betrachtung der heutigen Welt, der Kultur und des menschlichen Lebens überzeugt uns, dass vielen die Offenheit für das Göttliche und das Bewusstsein für das transzendente Leben fehlt – für den Weg, den der auferstandene Herr uns gezeigt hat. Einfache Misserfolge, Krankheiten, Leiden und Probleme reichen aus, um unsere rationale Sichtweise und unsere Hoffnung auf das Leben zu zerstören. Die Zukunft erscheint uns manchmal wie ein düsterer Hort der Finsternis, und die Realität des Todes macht uns verzweifelt und ängstlich.

Inmitten unserer Lasten neigen wir dazu, das Leben als eine dunkle Nacht zu missverstehen, ohne auch nur von einem hellen Morgen zu träumen. Die steigende Zahl von Selbstmorden, Drogensucht und ähnlichen Tragödien zeugt vom schwindenden Mass an Hoffnung und Optimismus in der heutigen Kultur und im Leben. In diesem Kontext gewinnt die Osterzeit, die von Hoffnung und Freude geprägt ist, an Bedeutung mit den Worten des auferstandenen Herren: «Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben; ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben».

Joseph Devasia