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Palliative Care und die Rolle der Spiritualität

24. April 2026
Palliative Care und die Rolle der Spiritualität
Schon seit ein paar Jahren entwickelt sich in Arbon eine sehr wertvolle Zusammenarbeit zwischen der Spitex und den Seelsorgenden der beiden Landeskirchen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Altersheimen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Sicher, wir gehen ja seit Jahren in den Heimen ein und aus, um dort mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Gottesdienst zu feiern, oder sie auf Wunsch zu besuchen, die Krankenkommunion zu bringen oder die Krankensalbung zu spenden. Doch mit dem Konzept der Palliative Care tritt die Frage nach der geistlichen/spirituellen Dimension wieder neu in den Fokus. Hospize, Kliniken und Heime waren lange in kirchlicher Trägerschaft und waren somit auch christlich geprägt. Viele Krankenschwestern waren eben Ordensschwestern, die sich berufen fühlten, Christus in den Armen, Alten und Kranken zu dienen und ihr Leben für die Pflege hingaben. Im Laufe der Zeit wurden die meisten Einrichtungen an die öffentliche Hand übergeben, und damit verlor das christliche Selbstverständnis in den Häusern und vielleicht auch in der Medizin an Bedeutung. Die gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten (vor 100 Jahren war die Schweiz zu 98% christlich geprägt, heute sind es unter 50%, Tendenz fallend) haben den Einfluss auf das Menschenbild und die Selbstverständlichkeit von Religiösität stark verändert.

Cicely Saunders (22. Juni 1918 in Lambeth, London, England geboren) ist es sicher zu verdanken, dass die Frage nach der «spirituellen Dimension» der Menschen vor allem am Lebensende wieder mehr in den Fokus rückt. Sie war die Begründerin der modernen Palliative Care Bewegung. Ihr Ansatz ist die Erhaltung der Lebensqualität der kranken Person, die neben der medizinischen, psychologischen, sozialen auch die spirituelle Begleitung umfasst. Der Begriff «spirituelle» Begleitung wird in diesem Kontext weit gefasst. Es umfasst die Suche nach Sinn, Verbindung, Transzendenz oder einem grösseren Ganzen. Wichtig ist, dass Spiritualität individuell erfahrbar ist und verschiedene Formen annehmen kann, ohne an eine bestimmte Religion gebunden zu sein. Die Weite des Begriffs konkretisiert sich aber in der Praxis, denn viele Menschen sind nicht nur «spirituell», sondern eben «religiös», sie gehören einer Religion, einer Konfession, einer Gemeinde an und haben «religiöse Bedürfnisse». Es ist eine wunderbare Entwicklung, dass diese Bedürfnisse wieder in den Blick kommen und die Zusammenarbeit mit den Seelsorgenden gestärkt wird, dass die religiösen Bedürfnisse von den Pflegenden angesprochen werden und Kontakt aufgenommen wird. Als katholische Kirche haben wir einen reichen Schatz an Vollzügen, die begleiten und stärken und den kranken Menschen berühren.

Gerne mache ich an dieser Stelle Werbung für die Wanderausstellung über Cicely Saunders vom 15. Mai bis 5. Juni im Alters- und Pflegeheim Sonnhalden und natürlich auch für den Vortrag: «Die letzten Dinge – Riten, Sakramente und geistliche Begleitung in schweren Zeiten» am 3. Juni um 18.00 Uhr, in dem Joseph Devasia und ich über den «katholischen Beitrag» zur Palliative Care sprechen werden.

 

Simone Zierof