Mit den Sterndeutern unterwegs
Es ist wie am Beginn einer Reise, gut geplant und doch voll Aufregung und Spannung, wie sich wohl alles entwickeln wird. Ich muss an die drei Sterndeuter denken, die in ein paar Tagen bei Jesus an der Krippe ankommen werden, und merke, dass sie uns auch für unsere Reise durchs Jahr als Vorbild dienen können. So wünsche ich uns eine gute Portion Neugier. Denn sie hat die drei damals überhaupt erst in die Sterne schauen lassen, in der Hoffnung etwas Grossartiges zu entdecken. Die Neugier half ihnen auch, viele Nächte auszuhalten, wenn nichts passierte und Frustration in der Luft lag. Denn die Neugier hat etwas mit der Sehnsucht zu tun.Vieles beschäftigt uns in dieser Zeit: die schwierige Situation in der Welt oder auch manche ganz persönlichen Sorgen. Bewahren wir uns in alldem unsere Neugier und unsere Sehnsucht – voller Hoffnung, dass auch uns etwas erwartet, was uns überrascht, das Herz springen und die Augen leuchten lässt.
Als zweites wünsche ich uns Mut. Die drei Sterndeuter haben das Risiko der Reise nach Bethlehem nicht gescheut. Sie vertrauten auf ihre Weggemeinschaft und darauf, dass sich der Weg am Ende lohnen würde. Was wäre gewesen, wenn sie nicht losgezogen wären? Wir wissen heute noch nicht, welche Herausforderungen und Chancen auf uns persönlich und gesellschaftlich in diesem neuen Jahr warten. Doch es reicht nicht, all das nur zu sehen. Wir müssen Gelegenheiten auch ergreifen. Und gerade dann, wenn uns das Überwindung kostet, wir etwas hinter uns lassen müssen oder wir Angst vor einer Entscheidung und einem nächsten Schritt haben: dann wünsche ich uns diesen Mut, aufzubrechen im Vertrauen, dass wir geführt werden – wie damals die drei Sterndeuter.
Auf der Hälfte ihres Weges bei ihrer Ankunft in Bethlehem gab es nur eines: Staunen – Staunen angesichts dieses Wunders und der gleichzeitigen Alltäglichkeit des Geschehens: die Geburt eines Kindes – die Geburt des Königs der Welt. Verlernen wir nicht das Staunen über die Kostbarkeiten, die uns manchmal unscheinbar und selbstverständlich in unserem Alltag begegnen. Staunen wir über all die kleinen und grossen Momente, in denen wir beschenkt werden – und unverhofft der Grösse, der Liebe und der Schönheit Gottes begegnen dürfen. Auf dem Rückweg begegnet den drei Sterndeutern ein Engel und rät, nicht zu Herodes zurückzukehren. Sie entscheiden sich, diesem Rat zu folgen, und so ziehen sie auf einem anderen Weg zurück in ihr Land.
Im Nachhinein wissen wir, dass dies eine weise Entscheidung war. – Auch uns wünsche ich Weisheit im neuen Jahr, dass wir nicht vorschnell und unüberlegt Entscheidungen treffen. Dass wir den Mut haben, um Rat zu bitten und ihn zu befolgen. Weisheit heisst, nicht nur allein von mir auszugehen, sondern in Zusammenhängen zu denken. Ich glaube, gerade das braucht es in dieser Zeit besonders – Menschen, die weiterdenken und die bereit sind, wo es nötig ist, die richtigen und manchmal dadurch auch neue Wege einzuschlagen. Wie die Sterndeuter kommen wir auch gerade von der Krippe. Wir sind an Weihnachten Gott in Jesus Christus begegnet und kehren nun zurück in unseren Alltag – voll Neugier auf die Zukunft, voll Mut für Momente des Aufbruchs, voll Staunen über Gottes Nähe und voll Weisheit, dem Vorbild Jesu zu folgen.
Ein gesegnetes neues Jahr.
