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«Ostern ist vorbei»

29. April 2022
«Ostern ist vorbei»
«Ostern ist vorbei.» So, oder ähnlich tönte es bereits am Dienstag nach Ostern aus dem Radio. Und wieder einmal hat mich diese Aussage stutzig gemacht.

Klar verstehe ich, dass es hierbei um die konkreten Osterfesttage, um Osterbrunch, Ostereiersuche und Osterhasen geht. Und spätestens dann, wenn überall die Hasen und Eier in den einschlägigen Läden reduziert sind, ist das für sehr viele Personen in der Gesellschaft das unumstössliche Zeichen: Ostern ist vorbei.

Unsereins schüttelt oft darüber den Kopf, wohl wissend, dass Ostern ja viel mehr ist als ein paar Tage im Kalender mit netten Riten (und viel Schoggi – viel zu viel Schoggi…). Ostern – das ist ja immer und geht nicht vorbei. Der Glaube daran, dass Gott uns durch Jesus Christus aus aller Schuld befreit und den Tod besiegt hat, hat kein Ablaufdatum. Sondern Ostern ist ja die Grundlage unseres Glaubens, auf der wir unser Leben aufbauen.

Trotzdem dürfen wir uns selbst an dieser Stelle die kritische Frage stellen: Wie sehr gelingt es mir denn wirklich, als österlicher Mensch zu leben? Ertappen wir uns nicht auch dabei, dass ein paar Tage später Ostern in unserem alltäglichen Leben in den Hintergrund tritt? Obwohl es ja aus unserem Glauben heraus absolut korrekt ist, hätte vermutlich jede und jeder Hemmungen, auch in vier Wochen noch an der Supermarktkasse «Frohe Ostern» zu wünschen. (Aber vielleicht sind Sie ja mutig!)

Ostern hat kein Ablaufdatum – und trotzdem glaube ich, müssen wir die Bedeutung von Ostern immer wieder neu entdecken und in unseren Alltag integrieren. Und dass das manchmal gar nicht einfach ist, zeigen uns die biblischen Erzählungen nach Ostern. Allein die Tatsache, dass die Jünger nach all dem, was sie mit Jesus erlebt haben und nachdem sie die Auferstehung erfahren haben, nun einfach wieder in ihr altes Leben zurückgegangen sind und fischen – so als wäre nie etwas gewesen – lässt mich hier aufhorchen. Erst die erneute Begegnung mit dem Auferstandenen setzt wieder neue Kraft frei und lässt sie für sich ganz persönlich entdecken, was Ostern denn für sie für eine Bedeutung – oder auch für eine Konsequenz hat.

Wo werden wir wohl in den nächsten Tagen und Wochen dem Auferstandenen und der spürbaren Realität von Ostern begegnen? Was uns die Texte des Neuen Testaments in diesem Zusammenhang auch zeigen: Wir müssen mit allem rechnen. Manch einem begegnet Christus im Gärtner, andere haben es mit Engeln zu tun. Wieder andere erleben Auferstehung am eigenen Leib, wenn sie sich all ihren Frust und ihre Trauer jemand Wildfremden von der Seele reden und sie erst im Nachhinein entdecken, wer ihr Leben dadurch leichter und am Ende ihre Lebensfreude und vor allem den Glauben in ihrem Herzen wieder neu entfacht hat. Doch eins zeigen uns viele der Geschichten – bis hin zu Thomas, dessen Zweifel an der Auferstehung ernstgenommen und beantwortet wurde: Die grösste Chance, den Auferstandenen im eigenen Leben zu entdecken, ist zum einen die Augen und Ohren für ihn offen zu haben und zum anderen: dass es eben stimmt, was er einmal gesagt hat – er ist vor allem dort, wo zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind,auf ihn hoffen, nach ihm fragen und mit ihm feiern.

Gehen wir gemeinsam auf die Suche nach solchen Ostermomenten mit ihm, die immer individuell und situativ sind. Und teilen wir diese Momente. Denn dann lernen wir miteinander immer mehr, was das für unser ganz persönliches Leben bedeutet: dass Jesus Christus lebt und ein für allemal den Tod besiegt hat. Tobias Zierof

Tobias Zierof