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Ostern – das Leben anders sehen

08. April 2022
Ostern – das Leben anders sehen
Und das nicht nur wegen der Geschenke, es gibt so viele Geschichten und Bräuche rund um Weihnachten, und es ist ein Familienfest wie kein anderes.

Mit Ostern ist das anders. Zwar gibt es auch den Osterhasen und die Ostereier, sie sind Symbole des österlichen Glaubens: Das Leben ist stärker als der Tod. Aber Geschichten zu Ostern gibt es nicht so viele, und leicht verständlich sind sie auch nicht. Ostern steht am Ende der Leidensgeschichte von Jesus. Als sein Leben am Kreuz endet, ist das nicht nur das tragische Ende eines vorbildlichen Menschen, sondern es bedeutet auch die bitterste Enttäuschung all jener, die auf Jesus ihre Hoffnung gesetzt haben.

Dass alle Jünger ihren Meister am Schluss im Stich gelassen haben, dass keiner der Apostel unter dem Kreuz stand (das Johannes-Evangelium möchte Johannes als Lieblingsjünger hervorheben, was aber nicht historisch zu verstehen ist), bringt ihre Haltung zum Ausdruck: Wir haben uns getäuscht, wir hatten eine andere Vorstellung vom Messias. Es sind Frauen, die als erste beim Grab sind, zum Einen, weil sie nicht so viel zu befürchten hatten wie die mit Jesus befreundeten Männer, zum Andern, weil sie noch einen Funken Hoffnung in ihrem Herzen bewahrt haben: Was uns mit Jesus verbunden hat, das kann doch nicht alles mit einem Schlag verloren sein.

Die Ostergeschichten sind nicht so harmonisch wie jene von Weihnachten, sie sind seltsam verschlungen und verwirrend, erst mit der Zeit entwirren sie sich und kommen zur österlichen Klarheit: Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Wie Jesus auferstanden ist, wird nicht geschildert. Maria Magdalena und die Frauen sehen ein leeres Grab, auch Petrus und der andere Jünger, die zum Grab eilen, sind nur verwirrt. Die Jünger von Emmaus erkennen den Auferstandenen auch auf einer stundenlangen Wanderung nicht. Als Jesus den Jüngern erscheint, isst er einen Fisch, damit ihnen aufgeht, dass kein Geist vor ihnen steht. Aber dass Jesus ihnen in einer anderen Dimension begegnet, müssen die Jünger und Frauen erst erfahren und verstehen lernen: Der Auferstandene hat die Welt von Raum und Zeit überschritten, er lebt jetzt in einem nicht-körperlichen Leib.

Die Auferstehung Jesu ist zwar ein Geheimnis des Glaubens, aber sie hat doch eine klare Aussage; sie bietet uns eine andere Perspektive an: Unser Leben ist nicht ein Abstieg, der am Schluss im Tod endet. Nein, wir sind zum ewigen Leben bestimmt, seit jeher. Diese Bestimmung wird dann zur Botschaft von Ostern: Unser Leben geht auf die Erlösung zu; das macht das Leben mit allen Fragen und Sorgen nicht nur erträglich, sondern zur tröstlichen Gewissheit: Wir sind mehr als Fleisch und Knochen, das Leben, das Gott uns verheisst, ist mehr als unsere Existenz auf Erden. Wir sind ein Stück Ewigkeit, verkleidet in «ein irdisches Gefäss» mit provisorischem Charakter. Ostern lädt uns ein, unser Leben anders zu verstehen – als Umkehr vom Tod zum Leben. Und wer so lebt, hat das ewige Leben schon!

Matthias Rupper