Zum Hauptinhalt springen

Hoffnung

01. April 2022
Hoffnung
Hoffnung auf den, der da kommt…
 

Zur Zeit Jesu war die Hoffnung gepaart mit der Verzweiflung, denn die Menschen erlebten eine ungeheuerliche Unterdrückung. Da war auf der einen Seite die Last der römischen Steuer. Nicht nur, dass das Leben ohne Steuer schon anstrengend genug war und es oft nicht reichte. Die römischen Forderungen nach Geld, Vieh und Naturalabgaben brachten so manchen in die Armut oder liessen Gewalt und Willkür erleben. Auf der anderen Seite lebten die Juden mit ihren Unterdrückern zusammen. Tagtäglich mussten sie ihre Feinde sehen, ihnen gehorchen und ihre Brutalität ertragen. Auch wenn uns das heute nicht mehr bewusst ist, Jesus und die beiden Verbrecher waren nicht die einzigen, die am Kreuz den Tod gefunden haben. Wir wissen, dass die Römer diese Art der Hinrichtung gerne und häufig angewandt haben, um vor den Stadttoren ein abschreckendes Zeichen zu setzen und ihre Macht zu demonstrieren. Die Wut auf die römischen Unterdrücker war gross und es entstanden gewaltbereite Gruppierungen (z. B. Zeloten), die gegen die Römer kämpfen wollten. Wut, Angst, Ohnmacht, Unterdrückung, Verzweiflung trafen auf die Hoffnung, dass Gott ihnen endlich den Retter, den Messias, senden sollte. In dieser Zeit trat Jesus auf. Menschen erkannten und spürten durch seine Taten und Worte, dass er von Gott gesandt war. Viele hatten die Hoffnung, dass er den Befreiungsschlag gegen die Römer anführen würde. Als Jesus nach Jerusalem kam, war eine grosse Menge an Pilgern bei ihm, welche die wichtigsten jüdischen Feiertage in der Stadt feiern wollten.

Als sie Jesus sahen, der auf dem königlichen Reittier, dem Esel, sass, brach ihre Hoffnung aus ihnen heraus. Ihre Hoffnung auf ein Ende der Unterdrückung und der Angst, die Hoffnung auf Freiheit und auf die Herrschaft Gottes. Viele wurden bitter enttäuscht, da sich Jesus nicht als der erhoffte Kriegsherr erwiesen hat. Viele wurden bitter enttäuscht, weil Jesus wie der schlimmste Verbrecher das Leben verlor. Herausbrechende Hoffnung. Nahe kommen uns in diesen Tagen Gefühle der Angst, der Ohnmacht, der Unterdrückung und der Hoffnung nach einem Ende. Weltpolitisch, vielleicht auch ganz persönlich. Wenn wir nun Palmsonntag feiern, dann geben wir auch unserer Hoffnung auf Jesus Ausdruck, natürlich mit dem österlichen Blick. Wenn wir mit den Palmen in die Kirche einziehen, dann ist das eine Hoffnungsdemonstration, dass keine weltliche Macht das letzte Wort hat. Im Gottesdienst bringen wir das Unrecht dieser Welt im Gebet vor Gott und überlegen, wo wir heute Hand anlegen können, um im Hier und Jetzt etwas von unserer Hoffnung auf Gott und eine bessere Welt spürbar zu machen.

Mit dieser Hoffnung starten wir in die heilige Woche.

Simone Zierof