«Persönlich auf Sie zugeschnitten und nach Ihren individuellen Bedürfnissen angepasst. Mit diesem Produkt werden Sie glücklich! Gönnen Sie sich etwas – Sie haben es sich verdient!»
Mit diesen Sätzen kitzelt die Werbung unsere Bedürfnisse und überzeugt schnell: «Wenn es wirklich perfekt auf mich passt, dann brauche ich es! Und es stimmt schon: Ich habe es mir wirklich verdient.»
Für Kinder das Fussballtrikot mit Namen und Geburtsjahr, das Sofa, personalisiert für mich, genauso wie mein Natelvertrag, die Bettdecke mit dem genauen Gewicht an Daunen für meinen perfekten Schlaf, die Seife, die mir einen «glücklichen Morgen» verspricht, die Handcreme hingegen zieht mich mit «mystischer Erfahrung» in den Bann und der Teebeutel in meiner Tasse bringt mich in «Frauen Balance». Sehr subtil wird versucht,
unsere inneren Bedürfnisse anzusprechen und auszunutzen. Und die Wirtschaft weiss, dass wir so übersättigt sind an Dingen und Besitz, dass es schon etwas Besonderes sein muss, das uns Kunden motiviert, noch
mehr Geld auszugeben. Aber mal ehrlich: Ich kann mir die Hände eincremen, wie ich will, mystische Erfahrungen habe ich dabei nicht, und auch die Seife macht mich am Morgen nicht glücklicher – und dennoch hat es funktioniert und ich habe den Preis bezahlt.
In der Fastenzeit setze ich mir in vielen Bereichen ein bewusstes «Nein», nicht nur um zu sparen, sondern um mich selbst zu durchschauen. Brauche ich es wirklich? Wenn ich ehrlich bin: Nein – ich habe eh schon zu viel und die vielleicht wichtigere Frage: Warum will ich das haben? Welche Sehnsucht versuche ich mit dem Haben und Kaufen zu stillen? Wieso falle ich da immer wieder rein, obwohl ich weiss, dass die «Befriedigung» nur von kurzer Dauer ist? Mein Fastenzeit-Nein beschränkt sich nicht nur auf den Geldbeutel, sondern auch sonst auf Dinge, die mich gerne ablenken und meine Zeit totschlagen, Handy und Fernsehen zum Beispiel oder Nein zu dem vielen Essen, was mich nicht nur (über)satt, sondern auch träge macht.
Neben dem «Nein» steht da aber auch ein grosses «Ja» in diesen Wochen der Fastenzeit. Ja, zu einer solidarischen «Leere» in meinem Magen, körperlich Anteil zu haben an dem Leid der Mitmenschen. Das mir vom Mund Abgesparte kann sicher etwas bewirken, wenn ich es spende. Ja zu mehr Zeit mit Gott, im Gebet oder auch in guter, geistlicher Literatur, ich glaube dort finde ich eher «mystische Momente» als beim Händeeincremen. Ja zu mehr Zeit mit mir in der Stille und mit echter Gemeinschaft mit den Menschen, mit denen ich unterwegs bin, denn das macht nicht nur mich glücklich.
Und Sie? Was könnte Ihr «Fastenzeit- Nein» und Ihr «Fastenzeit-Ja» sein?