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Fastenpredigten:

Fastenpredigten:
Bildquelle: kath-arbon.ch
Fastenpredigten: «Wie glauben, wenn Religion fremd/privat wird?

Woran lag es: am Thema, am Referenten, am günstigen Wetter? Jedenfalls waren die Fastenpredigten von Matthias Loretan überdurchschnittlich gut besucht. Und die anspruchsvollen Themen forderten die Zuhörenden zum intensiven Mitdenken auf.

Zuwendung statt Forderungen
Der erste Schritt hatte mit dem Gottesbild zu tun; immer noch verbinden viele Menschen Gottes Wirken mit Macht und Grösse. Doch dem Propheten Elia begegnet Gott nicht mit lautem Donner, sondern im leisen Säuseln lässt er sich erfahren. Daraus folgt, dass wir Gott nicht mit guten Werken beeindrucken müssen. Gott stellt keine Forderungen, sondern er wendet sich uns zu – so soll auch Seelsorge geschehen: mit Offenheit und Verständnis und nicht mit Geboten und Bussleistungen.

Hoffnung in einer Machtwelt
Der Glaube muss im Alltag gelebt werden und in einer Welt, wo die Mächtigen mit einer Sprache der Stärke den Menschen drohen. Wie der Mensch damit umgehen kann, zeigte sich an biblischen Gestalten aus dem Ersten Testament: Josef, der Sohn Jakobs, nimmt in einem fremden Land Verantwortung für sein Volk wahr und vergräbt sich nicht im Groll über einen ungerechten Herrscher. Und Mose, als Kind dem Tod geweiht, lernt am Hof des Pharaos die Macht von Innen kennen und leistet Widerstand, bis ihn der Ruf Gottes erreicht: «Geh fort! Der Bund mit mir wird für euch die Schutzordnung sein.» An diesen Beispielen können wir ersehen, wie wir den heutigen ungerechten Imperien begegnen können. Rückzug und Verbitterung sind keine
Lösungen, vielmehr sollen wir mit wachem Herzen in der Welt stehen. Wenn Härte und Stärke der moralische Massstab der Mächtigen ist, dann antworten wir besser mit Geduld und Empathie, nicht aus der Position der starken Mitte, sondern vom Rande her. Die biblische Ethik hat eine klare Aussage, sie fragt: Wo ist Leben bedroht, wo wird Würde verletzt – da sollen wir hinsehen und widersprechen.

Gott in der Nussschale
Mit diesem eigenartigen Bild vermittelte Matthias Loretan Hinweise und Antworten zum Umgang mit der unsicheren Glaubens- und Kirchensituation in der heutigen Gesellschaft. Wie glauben, wenn Glaube und Kirche brüchig geworden sind? Die Nussschale weist symbolisch auf Gottes Wesen hin: klein, unscheinbar und verletzlich, aber offen für das, was Not tut. Der barmherzige Vater zeigt, wie wir mit Schuld und Krisen umgehen können: Nicht richten, sondern Antworten suchen. Denn Gott sitzt nicht auf dem Thron, sondern sucht die Beziehung zu uns Menschen. Wenn heute eine religiöse Sprachlosigkeit herrscht und Menschen Gott nicht brauchen, dann lässt sich nicht alles erklären. Immer wieder hat Gott geschwiegen und nicht Lösungen geliefert. So bekommt auch das Fasten einen weiteren Sinn: Der Mensch verzichtet auf nostalgische Rückblicke («Früher war alles besser») und begreift Not als Chance; auch die Kirchenkrise kann als spiritueller Lernprozess verstanden werden. Es bietet sich die Möglichkeit, Kirche neu und anders zu denken als Raum für eine solidarische Kraft, nicht perfekt, aber offen. Das letzte Bild war sympathisch und einladend: Kirche als Lagerfeuer – für alle sichtbar und zugänglich, verspielt, nicht auftrumpfend, aber zuversichtlich, aufgenommen im Schlusschoral: «Was Gott tut, das ist wohlgetan.» Matthias Loretan hat mit drei spirituell dicht gefüllten Abenden die Hoffnung und die Freude am Glauben in heutiger Zeit und Kirche neu geweckt.

Matthias Rupper
Beitrag erstellt: 27. März 2026